Dr. Muhammad Elhamy · 8 Min. Lesezeit
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حالة النص: قيد المراجعةWir befinden uns nun in unserer dritten Sitzung über die prophetische Seerah. Ich bitte Allah, den Erhabenen, dass diese Lektionen uns als Wegweiser dienen, um unsere heutige Realität zu reformieren. Wie ich bereits eingangs betonte: Wir studieren die Seerah nicht bloß, um uns an historischen Erzählungen zu erfreuen, sondern um uns von ihr inspirieren zu lassen und sie auf unsere gegenwärtige Lage anzuwenden.
Angesichts der brennenden und schmerzhaften Ereignisse, die sich derzeit in Gaza (غزة) abspielen, verstehen wir die immense Bedeutung von Hauptstädten – ein Thema, das ich bereits beim letzten Mal angeschnitten habe – umso besser. Erinnert euch daran, wie völlig anders die ägyptische Haltung war, als die Hauptstadt Kairo (القاهرة) nach der Revolution in den Händen ihrer wahren Söhne lag, und wie weitreichend dies die gesamte islamische Welt beeinflusste! Es brachte der Widerstandsbewegung in Gaza immense Stärke und bescherte selbst islamischen Minderheiten im fernen Turkestan, in Europa und sogar den Gefangenen in Guantanamo politische Gewinne.
Was ich euch damit sagen möchte: Wenn wir unsere Ummah reformieren wollen, können wir unmöglich zu jedem einzelnen der zwei Milliarden Muslime gehen, um ihn persönlich zu überzeugen. Es gibt vielmehr strategische Schalthebel, Knotenpunkte und Hauptstädte. Wenn diese reformiert werden, gesundet der gesamte Körper!
Diesen tiefen Sinn fanden auch unsere großen Gelehrten, als sie den berühmten Hadith von Al-Nu’man ibn Bashir erklärten, in dem der Prophet ﷺ sagte:
«أَلا وَإِنَّ فِي الْجَسَدِ مُضْغَةً إِذَا صَلَحَتْ صَلَحَ الْجَسَدُ كُلُّهُ وَإِذَا فَسَدَتْ فَسَدَ الْجَسَدُ كُلُّهُ أَلَا وَهِيَ الْقَلْبُ» „Wahrlich, im Körper gibt es ein Fleischstück: Wenn es gesund ist, ist der ganze Körper gesund; und wenn es verdorben ist, ist der ganze Körper verdorben. Wahrlich, es ist das Herz!“
Die Gelehrten zogen daraus den Schluss, dass die Menschen der Religion ihrer Könige und Herrscher folgen. Der König und die Hauptstadt sind für das Volk exakt das, was das Herz für den menschlichen Körper ist.
In der letzten Lektion haben wir besprochen, warum der Prophet ﷺ ausgerechnet in Mekka entsandt wurde – weil es die Hauptstadt der Araber war und der gesamte Konflikt der Seerah im Kern ein Ringen um die Kontrolle über diese Stadt war.
Was ich dabei noch erwähnen muss: Wie breitete sich die Götzenanbetung überhaupt auf der Arabischen Halbinsel aus? Sie nahm ihren Anfang genau dort, in Mekka! Der damalige Führer von Mekka, Amr ibn Luhayy al-Khuza’i (عمرو بن لحي الخزاعي), reiste nach Syrien (الشام). Er sah, dass die Menschen dort Götzen anbeteten und scheinbar mit fruchtbarem Land und Wohlstand gesegnet waren. Verblendet brachte er einen Götzen mit und stellte ihn in Mekka auf. Von diesem Moment an begann die Verfälschung der reinen Religion Ibrahims, und die Götzen verbreiteten sich über die gesamte Halbinsel.
Das zeigt uns ein eisernes Gesetz: Eine Idee, die die Hauptstadt dominiert, hallt unweigerlich in allen Provinzen, Rändern und Wüsten wider. Eines der wichtigsten Mittel zur Veränderung ist daher die strategische Fokussierung auf die einflussreichen Zentren.
Wie sah die Welt aus, als unser Prophet ﷺ geboren wurde? Und warum hat Allah ausgerechnet die Araber für Seine letzte Botschaft auserwählt?
Beginnen wir mit den Römern – dem, was wir heute als den “Westen” bezeichnen. Ihr Imperium war in zwei Hälften gespalten:
Die sozialen und religiösen Zustände bei den Römern: Sie litten unter brutalem materiellem Zwang und tiefer Dekadenz. Am Hof herrschte abstoßender Luxus, während das einfache Volk durch unbarmherzige Steuern ausgepresst wurde. Die Sklaverei kannte keine Grenzen – Sklaven wurden in Arenen gezwungen, sich zur Unterhaltung der Massen gegenseitig bis zum Tod abzuschlachten. Gleichzeitig breitete sich das zölibatäre Leben und die Ablehnung der Ehe aus, was zu wilder, inoffizieller Kohabitation führte.
Religiös war das Christentum durch den Einfluss römischer heidnischer Kulte völlig entstellt worden. Das Reich versank in unfruchtbaren theologischen Debatten über die Natur von Jesus (ob er eine oder zwei Naturen besitze). Diese Debatten mündeten in blutige Massaker und Kriege. Vor allem Ägypten (مصر) litt unter einer furchtbaren religiösen und politischen Verfolgung durch die Byzantiner, die Priester vertrieben und ermordeten – eine Zeit, die als “Epoche der Märtyrer” in die Geschichte einging.
Die Perser waren Feueranbeter. Ihre Gesellschaft war durch ein extrem scharfes und unüberwindbares Klassensystem geprägt:
Auf der einen Seite stand die Vergötterung des persischen Kaisers, des Kisra (كسرى). Man glaubte, in seinen Adern fließe heiliges, göttliches Blut. Das Volk war lediglich dazu da, ihm zu dienen und Steuern abzuführen. Niemand durfte in seiner Gegenwart auch nur sitzen, sich anlehnen oder gar seinen Namen aussprechen.
Als Gegenreaktion auf diese Unterdrückung und auf die asketische Lehre von Mani trat ein Mann namens Mazdak (مزدك) auf. Er begründete einen frühen Kommunismus und forderte die völlige Abschaffung von Privateigentum an Geld und Frauen, um die Klassenunterschiede zu vernichten. Der damalige persische König Qobadh (قباذ) war von dieser Idee angetan, was das Reich in eine absolute Anarchie aus Raub, Plünderung und Vergewaltigung stürzte! Erst sein Sohn Anushirvan (أنوشروان) – etwa ein halbes Jahrhundert vor der Geburt des Propheten ﷺ – bereitete dem ein Ende, ließ Mazdak hinrichten und verfolgte seine Anhänger.
Der gewaltige zivilisatorische Unterschied zwischen dem persischen Hochmut und der angeborenen Würde der Araber zeigte sich später glänzend in jenem historischen Moment, als die Gefährten Al-Mughirah ibn Shu’bah (المغيرة بن شعبة) und Rib’i ibn Amir (ربعي بن عامر) vor dem hochmütigen persischen Feldherrn Rustam (رستم) standen und ihm furchtlos ins Gesicht sagten:
«إِنَّا مَعْشَرَ العَرَبِ لَا يَسْتَعْبِدُ بَعْضُنَا بَعْضاً» „Wahrlich, wir Araber knechten einander nicht!“
Der große Gelehrte Abu al-Hasan al-Nadwi (أبو الحسن الندوي) fasste den erbärmlichen Zustand Indiens in seinem Buch “Was die Welt durch den Niedergang der Muslime verlor” in drei Hauptpunkten zusammen:
Natürlich gab es auch bei den Arabern die Zeit der Unwissenheit, Götzenanbetung, Unterdrückung, Wucherzinsen, das lebendige Begraben von Mädchen und die Unterdrückung der Frauen. Der arabische Dichter Zuhair ibn Abi Sulma (زهير بن أبي سلمى) fasste dieses Gesetz des Dschungels in seinem berühmten Vers zusammen:
وَمَنْ لا يَذُدْ عَنْ حَوْضِهِ بِسِلاحِهِ *** يُهَدَّمْ وَمَنْ لا يَظْلِمِ النَّاسَ يُظْلَمِ „Und wer sein Wasserbecken nicht mit seiner Waffe verteidigt, dessen Becken wird zerstört,
und wer die Menschen nicht unterdrückt, der wird unterdrückt.“
Warum also wurden ausgerechnet die Araber für diese letzte, gewaltige Botschaft auserwählt?
Weil ihr Klassensystem und die Tyrannei ihrer Führer – trotz all dieser Missstände – niemals das abartige Ausmaß der Perser, Römer oder Inder erreicht hatten. Die Araber besaßen unverfälschte, edle Charaktereigenschaften: Sie waren berühmt für ihre immense Großzügigkeit, den unbedingten Schutz des Nachbarn, ihre unerschütterliche Treue und Vertragserfüllung (wie wir es aus der Geschichte von Al-Samaw’al [السموأل] kennen) sowie für ihre Schamhaftigkeit und ihren unvergleichlichen Mut (wie es in der Poesie von Antarah [عنترة] besungen wird).
Sie hatten eine tiefe Bereitschaft zur inneren Reform. Viele ihrer grausamen Abwege entsprangen ursprünglich sogar einer übersteigerten guten Eigenschaft (so war ihr Hang zur blutigen Rache oft eine Entgleisung ihres Mutes, und das Begraben der Töchter eine perverse Übertreibung ihrer Ehrhaftigkeit). Als der Islam kam, nahm er diese edlen Rohstoffe, schliff sie und lenkte sie auf ihren rechtmäßigen, göttlichen Pfad.
Ich werde unsere heutige Sitzung mit den Worten schließen, die unser Meister Ja’far ibn Abi Talib (جعفر بن أبي طالب) sprach, als er vor dem Negus (النجاشي) stand und die Gesellschaft der Jahiliyya brillant zusammenfasste. Diesen Diskurs werden wir, so Allah will, im nächsten Unterricht vertiefen.
We are now in our third session on the prophetic Seerah. I ask Allah, the Exalted, that these lessons serve as a guide for us to reform our reality today. As I emphasized at the beginning: We do not study the Seerah merely to delight in historical narratives, but to be inspired by it and apply it to our present situation.
In light of the burning and painful events currently taking place in Gaza (غزة), we understand the immense importance of capitals – a topic I touched upon last time – all the better. Remember how completely different the Egyptian stance was when the capital, Cairo (القاهرة), was in the hands of its true sons following the revolution, and how far-reaching this affected the entire Islamic world! It brought immense strength to the resistance movement in Gaza and yielded political gains even for Islamic minorities in distant Turkestan, in Europe, and even for the prisoners in Guantanamo.
What I want to tell you by this: If we want to reform our Ummah, it is impossible for us to go to every single one of the two billion Muslims to convince him personally. Rather, there are strategic leverage points, hubs, and capitals. When these are reformed, the whole body heals! Our great scholars also found this deep meaning when explaining the famous Hadith of Al-Nu’man ibn Bashir, in which the Prophet ﷺ said:
«أَلا وَإِنَّ فِي الْجَسَدِ مُضْغَةً إِذَا صَلَحَتْ صَلَحَ الْجَسَدُ كُلُّهُ وَإِذَا فَسَدَتْ فَسَدَ الْجَسَدُ كُلُّهُ أَلَا وَهِيَ الْقَلْبُ» “Truly, in the body there is a morsel of flesh: if it is healthy, the whole body is healthy; and if it is corrupt, the whole body is corrupt. Truly, it is the heart!”
The scholars deduced from this that people follow the religion of their kings and rulers. The king and the capital are to the people exactly what the heart is to the human body.
In the last lesson, we discussed why the Prophet ﷺ was sent specifically to Mecca – because it was the capital of the Arabs and the entire conflict of the Seerah was at its core a struggle for control over this city.
What I must mention here: How did idol worship spread to the Arabian Peninsula in the first place? It originated right there, in Mecca! The leader of Mecca at the time, Amr ibn Luhayy al-Khuza’i (عمرو بن لحي الخزاعي), traveled to Syria (الشام). He saw that the people there worshipped idols and seemed to be blessed with fertile land and prosperity. Deluded, he brought an idol back with him and set it up in Mecca. From that moment on, the corruption of the pure religion of Ibrahim began, and idols spread across the entire peninsula.
This shows us an iron law: An idea that dominates the capital inevitably echoes in all provinces, peripheries, and deserts. One of the most important means for change is therefore strategic focus on the influential centers.
What did the world look like when our Prophet ﷺ was born? And why did Allah choose the Arabs, of all people, for His final message?
Let us begin with the Romans – what we today refer to as the “West”. Their empire was split into two halves:
The social and religious conditions among the Romans: They suffered under brutal material coercion and deep decadence. At court, disgusting luxury prevailed, while the common people were squeezed by merciless taxes. Slavery knew no bounds – slaves were forced in arenas to slaughter each other to the death for the entertainment of the masses. At the same time, celibate life and the rejection of marriage spread, leading to rampant, unofficial cohabitation.
Religiously, Christianity had been completely distorted through the influence of Roman pagan cults. The empire sank into fruitless theological debates about the nature of Jesus (whether he possessed one or two natures). These debates culminated in bloody massacres and wars. Egypt (مصر) in particular suffered terrible religious and political persecution at the hands of the Byzantines, who expelled and murdered priests – a period that went down in history as the “Era of Martyrs”.
The Persians were fire-worshippers. Their society was characterized by an extremely rigid and insurmountable class system: On one side stood the deification of the Persian emperor, the Kisra (كسرى). It was believed that holy, divine blood flowed in his veins. The people existed merely to serve him and pay taxes. No one was even allowed to sit, lean, or even speak his name in his presence.
As a reaction against this oppression and against the ascetic teachings of Mani, a man named Mazdak (مزدك) appeared. He founded an early form of communism and demanded the total abolition of private property in wealth and women in order to destroy class differences. The Persian king at the time, Qobadh (قباذ), was taken with this idea, which plunged the empire into absolute anarchy of robbery, plundering, and rape! Only his son Anushirvan (أنوشروan) – about half a century before the birth of the Prophet ﷺ – put an end to this, had Mazdak executed, and persecuted his followers.
The immense civilizational difference between Persian arrogance and the innate dignity of the Arabs was later brilliantly demonstrated in that historic moment when the Companions Al-Mughirah ibn Shu’bah (المغيرة بن شعبة) and Rib’i ibn Amir (ربعي بن عامر) stood before the arrogant Persian commander Rustam (رستم) and fearlessly said to his face:
«إِنَّا مَعْشَرَ العَرَبِ لَا يَسْتَعْبِدُ بَعْضُنَا بَعْضاً» “Truly, we Arabs do not enslave one another!”
The great scholar Abu al-Hasan al-Nadwi (أبو الحسن الندوي) summarized the pitiful state of India in his book “What the World Lost Through the Decline of Muslims” in three main points:
Of course, among the Arabs too, there was the period of ignorance, idol worship, oppression, usury, the live burial of baby girls, and the oppression of women. The Arab poet Zuhair ibn Abi Sulma (زهير بن أبي سلمى) summarized this law of the jungle in his famous verse:
وَمَنْ لا يَذُدْ عَنْ حَوْضِهِ بِسِلاحِهِ *** يُهَدَّمْ وَمَنْ لا يَظْلِمِ النَّاسَ يُظْلَمِ “And whoever does not defend his water basin with his weapon, it will be destroyed, and whoever does not oppress people will be oppressed.”
Why then were the Arabs, of all people, chosen for this last, monumental message? Because their class system and the tyranny of their leaders – despite all these abuses – had never reached the abnormal extent of the Persians, Romans, or Indians. The Arabs possessed uncorrupted, noble character traits: They were famous for their immense generosity, absolute protection of the neighbor, unshakeable loyalty and fulfillment of covenants (as we know from the story of Al-Samaw’al [السموأل]), as well as for their modesty and incomparable courage (as celebrated in the poetry of Antarah [عنترة]).
They possessed a deep readiness for inner reform. Many of their cruel missteps originally stemmed from an exaggerated good quality (so their penchant for bloody revenge was often a derailment of their courage, and the burial of daughters a perverse exaggeration of their honor). When Islam came, it took these noble raw materials, polished them, and guided them onto their rightful, divine path. I will conclude our session today with the words spoken by our master Ja’far ibn Abi Talib (جعفر بن أبي طالب) when he stood before the Negus (النجاشي) and brilliantly summarized the society of Jahiliyya. We will, in sha Allah, deepen this discourse in the next lesson.
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Wir befinden uns nun in unserer dritten Sitzung über die prophetische Seerah. Ich bitte Allah, den Erhabenen, dass diese Lektionen uns als Wegweiser dienen, um unsere heutige Realität zu reformieren. Wie ich bereits eingangs betonte: Wir studieren die Seerah nicht bloß, um uns an historischen Erzählungen zu erfreuen, sondern um uns von ihr inspirieren zu lassen und sie auf unsere gegenwärtige Lage anzuwenden.
Angesichts der brennenden und schmerzhaften Ereignisse, die sich derzeit in Gaza (غزة) abspielen, verstehen wir die immense Bedeutung von Hauptstädten – ein Thema, das ich bereits beim letzten Mal angeschnitten habe – umso besser. Erinnert euch daran, wie völlig anders die ägyptische Haltung war, als die Hauptstadt Kairo (القاهرة) nach der Revolution in den Händen ihrer wahren Söhne lag, und wie weitreichend dies die gesamte islamische Welt beeinflusste! Es brachte der Widerstandsbewegung in Gaza immense Stärke und bescherte selbst islamischen Minderheiten im fernen Turkestan, in Europa und sogar den Gefangenen in Guantanamo politische Gewinne.
Was ich euch damit sagen möchte: Wenn wir unsere Ummah reformieren wollen, können wir unmöglich zu jedem einzelnen der zwei Milliarden Muslime gehen, um ihn persönlich zu überzeugen. Es gibt vielmehr strategische Schalthebel, Knotenpunkte und Hauptstädte. Wenn diese reformiert werden, gesundet der gesamte Körper!
Diesen tiefen Sinn fanden auch unsere großen Gelehrten, als sie den berühmten Hadith von Al-Nu’man ibn Bashir erklärten, in dem der Prophet ﷺ sagte:
«أَلا وَإِنَّ فِي الْجَسَدِ مُضْغَةً إِذَا صَلَحَتْ صَلَحَ الْجَسَدُ كُلُّهُ وَإِذَا فَسَدَتْ فَسَدَ الْجَسَدُ كُلُّهُ أَلَا وَهِيَ الْقَلْبُ» „Wahrlich, im Körper gibt es ein Fleischstück: Wenn es gesund ist, ist der ganze Körper gesund; und wenn es verdorben ist, ist der ganze Körper verdorben. Wahrlich, es ist das Herz!“
Die Gelehrten zogen daraus den Schluss, dass die Menschen der Religion ihrer Könige und Herrscher folgen. Der König und die Hauptstadt sind für das Volk exakt das, was das Herz für den menschlichen Körper ist.
In der letzten Lektion haben wir besprochen, warum der Prophet ﷺ ausgerechnet in Mekka entsandt wurde – weil es die Hauptstadt der Araber war und der gesamte Konflikt der Seerah im Kern ein Ringen um die Kontrolle über diese Stadt war.
Was ich dabei noch erwähnen muss: Wie breitete sich die Götzenanbetung überhaupt auf der Arabischen Halbinsel aus? Sie nahm ihren Anfang genau dort, in Mekka! Der damalige Führer von Mekka, Amr ibn Luhayy al-Khuza’i (عمرو بن لحي الخزاعي), reiste nach Syrien (الشام). Er sah, dass die Menschen dort Götzen anbeteten und scheinbar mit fruchtbarem Land und Wohlstand gesegnet waren. Verblendet brachte er einen Götzen mit und stellte ihn in Mekka auf. Von diesem Moment an begann die Verfälschung der reinen Religion Ibrahims, und die Götzen verbreiteten sich über die gesamte Halbinsel.
Das zeigt uns ein eisernes Gesetz: Eine Idee, die die Hauptstadt dominiert, hallt unweigerlich in allen Provinzen, Rändern und Wüsten wider. Eines der wichtigsten Mittel zur Veränderung ist daher die strategische Fokussierung auf die einflussreichen Zentren.
Wie sah die Welt aus, als unser Prophet ﷺ geboren wurde? Und warum hat Allah ausgerechnet die Araber für Seine letzte Botschaft auserwählt?
Beginnen wir mit den Römern – dem, was wir heute als den “Westen” bezeichnen. Ihr Imperium war in zwei Hälften gespalten:
Die sozialen und religiösen Zustände bei den Römern: Sie litten unter brutalem materiellem Zwang und tiefer Dekadenz. Am Hof herrschte abstoßender Luxus, während das einfache Volk durch unbarmherzige Steuern ausgepresst wurde. Die Sklaverei kannte keine Grenzen – Sklaven wurden in Arenen gezwungen, sich zur Unterhaltung der Massen gegenseitig bis zum Tod abzuschlachten. Gleichzeitig breitete sich das zölibatäre Leben und die Ablehnung der Ehe aus, was zu wilder, inoffizieller Kohabitation führte.
Religiös war das Christentum durch den Einfluss römischer heidnischer Kulte völlig entstellt worden. Das Reich versank in unfruchtbaren theologischen Debatten über die Natur von Jesus (ob er eine oder zwei Naturen besitze). Diese Debatten mündeten in blutige Massaker und Kriege. Vor allem Ägypten (مصر) litt unter einer furchtbaren religiösen und politischen Verfolgung durch die Byzantiner, die Priester vertrieben und ermordeten – eine Zeit, die als “Epoche der Märtyrer” in die Geschichte einging.
Die Perser waren Feueranbeter. Ihre Gesellschaft war durch ein extrem scharfes und unüberwindbares Klassensystem geprägt:
Auf der einen Seite stand die Vergötterung des persischen Kaisers, des Kisra (كسرى). Man glaubte, in seinen Adern fließe heiliges, göttliches Blut. Das Volk war lediglich dazu da, ihm zu dienen und Steuern abzuführen. Niemand durfte in seiner Gegenwart auch nur sitzen, sich anlehnen oder gar seinen Namen aussprechen.
Als Gegenreaktion auf diese Unterdrückung und auf die asketische Lehre von Mani trat ein Mann namens Mazdak (مزدك) auf. Er begründete einen frühen Kommunismus und forderte die völlige Abschaffung von Privateigentum an Geld und Frauen, um die Klassenunterschiede zu vernichten. Der damalige persische König Qobadh (قباذ) war von dieser Idee angetan, was das Reich in eine absolute Anarchie aus Raub, Plünderung und Vergewaltigung stürzte! Erst sein Sohn Anushirvan (أنوشروان) – etwa ein halbes Jahrhundert vor der Geburt des Propheten ﷺ – bereitete dem ein Ende, ließ Mazdak hinrichten und verfolgte seine Anhänger.
Der gewaltige zivilisatorische Unterschied zwischen dem persischen Hochmut und der angeborenen Würde der Araber zeigte sich später glänzend in jenem historischen Moment, als die Gefährten Al-Mughirah ibn Shu’bah (المغيرة بن شعبة) und Rib’i ibn Amir (ربعي بن عامر) vor dem hochmütigen persischen Feldherrn Rustam (رستم) standen und ihm furchtlos ins Gesicht sagten:
«إِنَّا مَعْشَرَ العَرَبِ لَا يَسْتَعْبِدُ بَعْضُنَا بَعْضاً» „Wahrlich, wir Araber knechten einander nicht!“
Der große Gelehrte Abu al-Hasan al-Nadwi (أبو الحسن الندوي) fasste den erbärmlichen Zustand Indiens in seinem Buch “Was die Welt durch den Niedergang der Muslime verlor” in drei Hauptpunkten zusammen:
Natürlich gab es auch bei den Arabern die Zeit der Unwissenheit, Götzenanbetung, Unterdrückung, Wucherzinsen, das lebendige Begraben von Mädchen und die Unterdrückung der Frauen. Der arabische Dichter Zuhair ibn Abi Sulma (زهير بن أبي سلمى) fasste dieses Gesetz des Dschungels in seinem berühmten Vers zusammen:
وَمَنْ لا يَذُدْ عَنْ حَوْضِهِ بِسِلاحِهِ *** يُهَدَّمْ وَمَنْ لا يَظْلِمِ النَّاسَ يُظْلَمِ „Und wer sein Wasserbecken nicht mit seiner Waffe verteidigt, dessen Becken wird zerstört,
und wer die Menschen nicht unterdrückt, der wird unterdrückt.“
Warum also wurden ausgerechnet die Araber für diese letzte, gewaltige Botschaft auserwählt?
Weil ihr Klassensystem und die Tyrannei ihrer Führer – trotz all dieser Missstände – niemals das abartige Ausmaß der Perser, Römer oder Inder erreicht hatten. Die Araber besaßen unverfälschte, edle Charaktereigenschaften: Sie waren berühmt für ihre immense Großzügigkeit, den unbedingten Schutz des Nachbarn, ihre unerschütterliche Treue und Vertragserfüllung (wie wir es aus der Geschichte von Al-Samaw’al [السموأل] kennen) sowie für ihre Schamhaftigkeit und ihren unvergleichlichen Mut (wie es in der Poesie von Antarah [عنترة] besungen wird).
Sie hatten eine tiefe Bereitschaft zur inneren Reform. Viele ihrer grausamen Abwege entsprangen ursprünglich sogar einer übersteigerten guten Eigenschaft (so war ihr Hang zur blutigen Rache oft eine Entgleisung ihres Mutes, und das Begraben der Töchter eine perverse Übertreibung ihrer Ehrhaftigkeit). Als der Islam kam, nahm er diese edlen Rohstoffe, schliff sie und lenkte sie auf ihren rechtmäßigen, göttlichen Pfad.
Ich werde unsere heutige Sitzung mit den Worten schließen, die unser Meister Ja’far ibn Abi Talib (جعفر بن أبي طالب) sprach, als er vor dem Negus (النجاشي) stand und die Gesellschaft der Jahiliyya brillant zusammenfasste. Diesen Diskurs werden wir, so Allah will, im nächsten Unterricht vertiefen.
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