Visual HistoryChronik des islamischen Imperiums
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Warum griff der barmherzige Prophet ﷺ zu den Waffen?

Dr. Muhammad Elhamy · 17 Min. Lesezeit

Text-Status: In Bearbeitung

Geziemt es sich für den Propheten der Barmherzigkeit, zu kämpfen, um den Islam zu verbreiten?

Eine staatsrechtliche, historische und philosophische Gesamtanalyse über das Verhältnis von Macht, Gerechtigkeit, Kampfführung und Glaubensfreiheit im Islam aus der Analyseperspektive von Dr. Muhammad Elhamy.


1. Einleitung: Das Paradoxon von Barmherzigkeit und Schwert

In der modernen Debatte über die islamische Geschichte begegnet uns immer wieder eine zentrale, oft polemisch vorgetragene Behauptung: Der Islam sei eine Religion, die sich durch das Schwert, Zwang und militärische Unterwerfung ausgebreitet habe. Aus dieser Prämisse leiten Kritiker die rhetorische Frage ab, wie es sich für einen Propheten, der als Barmherzigkeit für die Welten und als Symbol der Menschlichkeit beschrieben wird, geziemt habe, ein Schwert zu tragen, Heere anzuführen und Kriege zu führen.

Um diese Thematik wissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten, müssen wir zunächst eine fundamentale Unterscheidung treffen, die in westlichen und säkularen Diskursen meist vorsätzlich oder fahrlässig vermengt wird: Wir müssen strikt unterscheiden zwischen der geistigen Verbreitung des Glaubens als persönlicher Überzeugung (Intishar al-Din) einerseits und der geopolitischen Expansion eines staatlichen Souveräns (Tawassu’ al-Dawlah) andererseits.

Wer behauptet, der islamische Glaube sei den Menschen durch das Schwert aufgezwungen worden, ignoriert nicht nur die eindeutigen Texte des Quran, sondern auch die unbestreitbaren historischen Tatsachen. Wer jedoch leugnet, dass sich der islamische Staat durch militärische Macht ausgedehnt hat, blendet die universellen Gesetze der Zivilisationsgeschichte aus. Kein Staat der Weltgeschichte konnte ohne Macht bestehen oder expandieren.


2. Das Menschenbild und die Illusion der blossen Überzeugung

Der Einwand, eine wahrhaftige und göttliche Botschaft müsse sich ausschließlich durch das schöne Wort, den friedlichen Dialog und die argumentative Überzeugung durchsetzen, basiert auf einer romantischen, weltfremden Wunschvorstellung über die Natur des Menschen. Ein solches Idealbild, in dem Menschen die Wahrheit annehmen, sobald sie sie erkennen, und das Gute tun, sobald man es ihnen erklärt, existiert allenfalls in Kindergeschichten und Wunschdenken, nicht jedoch in der realen Menschheitsgeschichte.

Die Wirklichkeit des Menschen zeigt, dass die Erkenntnis des Rechts keineswegs ausreicht, um ihn nach dem Recht handeln zu lassen. Wie oft begeht der Mensch Unrecht, obwohl er genau weiß, dass es Unrecht ist? Die Ursachen hierfür liegen in den tiefen Abgründen der menschlichen Psyche:

  1. Die Übermacht der Begierden: Das Verlangen nach unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung (Al-Shahawat).
  2. Das Streben nach Eigennutz und Macht: Der Wunsch nach materieller Bereicherung und gesellschaftlicher Erhöhung (Talab al-’Uluw).
  3. Die Fesseln der Tradition und des Stammesstolzes: Die blinde Anhänglichkeit an Überliefertes (Al-Ta’assub), wie es der Quran beschreibt:

    «إِنَّا وَجَدْنَا آبَاءَنَا عَلَى أُمَّةٍ وَإِنَّا عَلَى آثَارِهِمْ مُقْتَدُونَ» „Wir haben bereits unsere Väter auf einem bestimmten Weg gefunden, und wir folgen ihren Spuren.“

Das koranische und prophetische Zeugnis

Der Quran stellt klar, dass der Mensch in der Masse leicht vom Bösen verführt werden kann. Als Iblees aus dem Paradies vertrieben wurde, schwor er:

«فَبِعِزَّتِكَ لَأُغْوِيَنَّهُمْ أَجْمَعِينَ * إِلَّا عِبَادَكَ مِنْهُمُ الْمُخْلَصِينَ» (Sure Sad: 82–83) „Bei Deiner Macht, ich werde sie ganz gewiss alle irreführen, außer Deinen auserwählten Dienern unter ihnen!“

Und an anderer Stelle bekräftigt der Satan seine feste Absicht:

«ثُمَّ لَآتِيَنَّهُمْ مِنْ بَيْنِ أَيْدِيهِمْ وَمِنْ خَلْفِهِمْ وَعَنْ أَيْمَانِهِمْ وَعَنْ شَمَائِلِهِمْ وَلَا تَجِدُ أَكْثَرَهُمْ شَاكِرِينَ» (Sure Al-A’raf: 17) „Hierauf werde ich gewiss von vorn und von hinten, von ihrer Rechten und von ihrer Linken über sie kommen; und Du wirst die meisten von ihnen nicht dankbar finden.“

Dies spiegelt sich auch im authentischen Hadith wider, in dem Allah am Tage des Gerichts zu Adam sagt, er solle den zugewiesenen Anteil (Gruppe) des Höllenfeuers herausführen (Ba’th al-Nar):

«أَخْرِجْ بَعْثَ النَّارِ… مِنْ كُلِّ أَلْفٍ تِسْعَمِائَةٍ وَتِسْعَةً وَتِسْعِينَ فِي النَّارِ وَوَاحِدًا فِي الْجَنَّةِ» „Führe den Anteil des Höllenfeuers heraus… Von je tausend Menschen gehen 999 ins Feuer und einer in den Garten!“

Sogar die Propheten – die edelsten Geschöpfe Gottes mit der reinsten Barmherzigkeit und der beredtesten Sprache – wurden von ihren Völkern oft abgelehnt. Der Prophet Muhammad ﷺ berichtete über die Schau der vergangen Gemeinschaften:

«يَأْتِي النَّبِيُّ يَوْمَ الْقِيَامَةِ وَمَعَهُ الرَّجُلُ، وَيَأْتِي النَّبِيُّ وَمَعَهُ الرَّجُلَانِ، وَيَأْتِي النَّبِيُّ وَلَيْسَ مَعَهُ أَحَدٌ» „Am Tage der Auferstehung wird ein Prophet kommen, der nur einen einzigen Gefolgsmann hat; ein anderer kommt mit zwei Gefolgsleuten, und wieder ein Prophet kommt, der keinen einzigen Gefolgsmann bei sich hat!“

Wenn also selbst fehlerfreie Propheten mit der reinen Wahrheit ohne den Schutz von Macht abgewiesen und verfolgt wurden, wird deutlich: Das Recht, das nicht von Macht geschützt wird, wird in dieser Welt zertreten.


3. Die Notwendigkeit von Macht für Recht und Zivilisation

Wäre der Mensch so veranlagt, dass er allein durch die Erkenntnis der Wahrheit zur Gerechtigkeit findet, gäbe es auf dieser Erde weder Staaten noch Gerichte, weder Polizeiorgane noch Streitkräfte oder Gesetzbücher. Bei jeder Meinungsverschiedenheit würden sich die Menschen zusammensetzen, einander überzeugen oder sich dem Urteil eines Weisen beugen.

Dass in der Menschheitsgeschichte jedoch Staaten, Justizsysteme, Streitkräfte und Sicherheitsapparate entstanden sind, ist der unwiderlegbare Beweis dafür, dass das Recht ohne zwingende Macht wirkungslos bleibt. Es braucht eine exekutive Gewalt, die dem Schwachen sein Recht garantiert und es dem Starken gewaltsam entreißt.

Der Dichter drückte diese traurige Realität der menschlichen Schwäche wie folgt aus:

«أَتَحْنُو عَلَيْكَ قُلُوبُ الْوَرَى * إِذَا دَمْعُ عَيْنَيْكَ يَوْمًا جَرَى» «وَهَلْ يَرْحَمُ الْحَمَلَ الْمُسْتَضَامَ * ذِئَابُ الْفَلَا وَأُسُودُ الشَّرَى» «لَقَدْ سَمِعَ النَّسْرُ نَوْحَ الْحَمَامِ * فَلَمْ يَعْفُ عَنْهَا وَلَمْ يَعْذِرَا» «بَلِ انْقَضَّ ظُلْمًا لِيَغْتَالَهَا * وَأَنْشَبَ فِي نَحْرِهَا الْمِنْصَرَا» «فَمَا رَدَّ عَنْهَا الأَذَى ضُعْفُهَا * وَلَا أَنَّهَا مَا جَنَتْ مُنْكَرَا» „Wählen etwa die Herzen der Menschen Mitleid mit dir, wenn eines Tages deine Tränen fließen? Erbarmen sich etwa die Wölfe der Einöde und die Löwen des Dickichts des unterdrückten Lammes? Der Adler hörte das Klagen der Taube, doch er begnadigte sie nicht und entschuldigte sie nicht; vielmehr stürzte er in Tyrannei herab, um sie zu ermorden, und schlug seine Krallen in ihren Hals. Weder beugte ihre Schwäche das Unheil von ihr ab, noch dass sie jemals etwas Böses getan hatte!“

Wir sehen dieses Prinzip täglich in der Gegenwart: Bei der Aggression gegen Gaza im Al-Aqsa-Menschheitsdrama stehen alle rechtlichen Argumente auf Seiten der Unterdrückten. Der Internationale Gerichtshof (IGH) und der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) haben Haftbefehle erlassen und Urteile gefällt. Dennoch geht die Zerstörung weiter. Warum? Weil Recht ohne vollziehende militärische Macht in der Welt der Geopolitik wirkungslos bleibt.

Imam Ibn Taymiyyah (ابْنُ تَيْمِيَّةَ) fasste diese menschliche Neigung zur Machtanmaßung prägnant zusammen:

«فِي كُلِّ إِنْسَانٍ فِرْعَوْنُ، إِلَّا أَنَّ بَعْضَهُمْ قَدَرَ فَأَظْهَرَ، وَبَعْضَهُمْ عَجَزَ فَأَضْمَرَ» „In jedem Menschen steckt ein Pharao; die einen besitzen Macht und bringen ihn zum Vorschein, die anderen sind ohnmächtig und verbergen ihn!“

Auch der tunesische Dichter Abu al-Qasim al-Shabbi (أَبُو الْقَاسِمِ الشَّابِّيُّ) unterstrich dieses Gesetz:

«لَا رَأْيَ لِلْحَقِّ الضَّعِيفِ وَلَا صَدَى * وَالرَّأْيُ رَأْيُ الْقَاهِرِ الْغَلَّابِ» «لَا عَدْلَ إِلَّا إِنْ تَعَادَلَتِ الْقُوَى * وَتَصَادَمَ الإِرْهَابُ بِالإِرْهَابِ» „Das geschwächte Recht besitzt weder Stimme noch Widerhall; die Entscheidung trifft allein der Sieger und Bezwinger! Es gibt keine Gerechtigkeit, es sei denn, die Kräfte sind im Gleichgewicht und Terror prallt auf Terror!“

Ebenso formulierte es der große ägyptische Jurist Abd al-Razzaq al-Sanhuri Pasha (عَبْدُ الرَّزَّاقِ السَّنْهُورِيُّ):

«الْقَانُونُ يَحْكُمُ بَيْنَ قَوِيَّيْنِ أَوْ بَيْنَ ضَعِيفَيْنِ، أَمَّا بَيْنَ قَوِيٍّ وَضَعِيفٍ فَلَا قَانُونَ، الْقُوَّةُ هِيَ الْقَانُونُ» „Das Gesetz herrscht zwischen zwei Starken oder zwischen zwei Schwachen. Was jedoch das Verhältnis zwischen einem Starken und einem Schwachen betrifft, so gibt es kein Gesetz – dort ist die Macht das Gesetz!“

Und der Fürst der Dichter, Ahmad Shawqi (أَحْمَد شَوْقِي), antwortete auf die Unterstellung, der Prophet habe grundlos gekämpft:

«قَالُوا غَزَوْتَ وَرُسْلُ اللَّهِ مَا بُعِثُوا * لِقَتْلِ نَفْسٍ وَلَا جَاؤُوا لِسَفْكِ دَمِ» «جَهْلٌ وَتَضْلِيلُ أَحْلَامٍ وَسَفْسَطَةٌ * فَتَحْتَ بِالسَّيْفِ بَعْدَ الْفَتْحِ بِالْقَلَمِ» «لَمَّا أَتَى لَكَ طَوْعًا كُلُّ ذِي كَرَمٍ * تَكَفَّلَ السَّيْفُ بِالْجُهَّالِ وَالْعَمَمِ» «وَالشَّرُّ إِنْ تَلْقَهُ بِالْخَيْرِ ضِقْتَ بِهِ * ذَرْعًا وَإِنْ تَلْقَهُ بِالشَّرِّ يَنْحَسِمِ» „Sie sagten: Du hast gekämpft, wo doch die Gesandten Gottes nicht gesandt wurden, um Seelen zu töten oder Blut zu vergießen! Das ist Unwissenheit, Täuschen von Träumen und Sophistik; du hast mit dem Schwert geöffnet, nachdem du zuvor mit der Feder geöffnet hattest! Als jeder Edle dir freiwillig folgte, übernahm das Schwert die Unwissenden und die Masse; denn begegnest du dem Bösen mit Gutem, gehst du daran zugrunde, begegnest du ihm aber mit Härte, wird es zerschlagen!“

Und in seinem berühmten Gedicht Salu Qalbi (سَلُوا قَلْبِي) schrieb Ahmad Shawqi (أَحْمَد شَوْقِي) weiter:

«سَلُوا قَلْبِي غَدَاةَ سَلَا وَثَابَا * لَعَلَّ عَلَى الْجَمَالِ لَهُ عِتَابَا» «وَعَلَّمَنَا بِنَاءَ الْمَجْدِ حَتَّى * أَخَذْنَا أَمْرَ الْأَرْضِ اغْتِصَابَا» «فَمَا نَيْلُ الْمَطَالِبِ بِالتَّمَنِّي * وَلَكِنْ تُؤْخَذُ الدُّنْيَا غِلَابَا» «وَمَا اسْتَعْصَى عَلَى قَوْمٍ مَنَالٌ * إِذَا الْإِقْدَامُ كَانَ لَهُمْ رِكَابَا» „Fragt mein Herz an dem Morgen, an dem es vergaß und wieder zu sich kam, ob es dem Schönen etwas vorzuhalten hat! Er lehrte uns den Aufbau des Ruhms, bis wir die Herrschaft der Erde mit Stärke ergriffen! Das Erreichen der Ziele geschieht nicht durch Wünsche, sondern die Welt wird durch Sieg und Kampf errungen! Und kein Ziel bleibt einem Volk verwehrt, wenn der Mut ihr Reittier ist!“


4. Die Differenzierung: Glaubensverbreitung versus Staatsexpansion

Hier müssen wir mit absoluter Klarheit formulieren: Ist der islamische Glaube durch das Schwert verbreitet worden? Nein, unmissverständlich nein! Hat sich das islamische Staatswesen durch das Schwert und militärische Macht ausgedehnt? Ja, selbstverständlich ja – genau wie jedes andere Staatswesen in der Zivilisationsgeschichte.

Der Schutz der Gewissensfreiheit im Islam

Der Quran verankert das Prinzip der absoluten Gewissensfreiheit im Glauben durch unmissverständliche Texte:

«لَا إِكْرَاهَ فِي الدِّينِ قَدْ تَبَيَّنَ الرُّشْدُ مِنَ الْغَيِّ» (Sure Al-Baqarah: 256) „Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist ja klar geworden gegenüber dem Irrtum.“

Und Allah spricht zu Seinem Propheten:

«وَلَوْ شَاءَ رَبُّكَ لَآمَنَ مَنْ فِي الْأَرْضِ كُلُّهُمْ جَمِيعًا أَفَأَنْتَ تُكْرِهُ النَّاسَ حَتَّى يَكُونُوا مُؤْمِنِينَ» (Sure Yunus: 99) „Und wenn dein Herr wollte, würden gewiss alle auf der Erde gläubig werden, sie alle zusammen. Willst du etwa die Menschen zwingen, bis sie gläubig werden?“

Im islamischen Recht ist ein erzwungener Übertritt zum Islam staatsrechtlich und theologisch ungültig. Die Völker in den geöffneten Gebieten (wie die koptischen Christen in Ägypten, die Maroniten in Sham oder die Hindus in Indien) behielten über Jahrhunderte ihren Glauben, ihre Kirchen und ihre Lebensweise unter dem Schutzvertrag der Ahl al-Dhimmah. Sie zahlten lediglich die Jizyah – eine minimale Schutzsteuer, die sie vom Militärdienst befreite und ihnen absolute innere Autonomie garantierte.

Die Staatsexpansion als historische Universalie

Das Römische Reich beispielsweise begann als kleine bäuerliche Siedlung in Rom. Als feindliche Stämme sie angriffen und um 40 Jahre zurückwarfen, erkannten die Römer, dass friedlicher Ackerbau allein sie zur Beute träger, kriegerischer Nachbarn macht. Sie stiegen auf und expandierten, bis das Mittelmeer zu einem römischen Binnensee (Mare Nostrum) wurde. Ist das Expansion durch das Schwert oder durch Blumen? Es war die Ausdehnung eines Staates durch militärische Macht.


5. Die historische Unvermeidbarkeit des Konflikts

Selbst wenn wir hypothetisch annehmen würden, dass der islamische Staat friedlich in seinen Grenzen verblieben wäre, hätte der Konflikt nicht vermieden werden können. Die Geschichte lehrt uns, dass der Batil (das Unrecht und die Tyrannei) die bloße Existenz des Haqq (der Wahrheit und Gerechtigkeit) nicht ertragen kann.

Das Gesetz des ideologischen Konflikts

Ein Staat, der auf Freiheit, Gerechtigkeit und der alleinigen Unterwerfung unter den Schöpfer basiert, stellt durch seine bloße Existenz eine tödliche Bedrohung für alle Systeme dar, die auf der Knechtung von Menschen beruhen.

Die historische Chronologie der Aggression gegen den Propheten ﷺ

Wenn wir die Sira des Propheten Muhammad ﷺ untersuchen, sehen wir, dass die Ungläubigen Makkahs (قُرَيْشٌ) den Konflikt von der ersten Stunde an militärisch und gewaltsam schürten:

  1. Verfolgung in Makkah (مَكَّةُ): Boykott, Folter, Tötung von Gefährten (wie Sumayyah und Yasir) und schlussendlich der Beschluss, den Propheten zu ermorden.

  2. Vertreibung und Enteignung: Als die Muslime nach Medina (الْمَدِينَةُ) auswanderten (Al-Muhajirun), konfiszierte Quraish deren gesamtes Hab und Gut in Makkah und setzte ein Kopfgeld von 100 Kamelen auf die Ergreifung des Propheten aus.

  3. Erpressung der Bevölkerung Medinas: Quraish sandte ein Ultimatum an die Einwohner Medinas:

    „Ihr habt unseren Gefährten Zuflucht gewährt. Bei Gott, wenn ihr ihn nicht an uns ausliefert oder ihn vertreibt, werden wir alle gemeinsam gegen euch marschieren, eure Kämpfer töten und eure Frauen schänden!“

  4. Morddrohungen gegen Pilger: Als Sa’d ibn Ubadah (سَعْدُ بْنُ عُبَادَةَ) zum Hajj nach Makkah reiste, überraschte ihn Abu Jahl (أَبُو جَهْلٍ) an der Kaaba und drohte:

    «وَاللَّهِ لَوْلَا أَنَّكَ فِي جِوَارِ أَبِي أُمَيَّةَ لَمَا خَرَجْتَ مِنْهَا سَالِمًا» „Bei Gott, wärst du nicht im Schutz von Abu Umayyah, wärst du hier nicht lebend herausgekommen!“

    Worauf Sa’d erwiderte:

    «وَاللَّهِ لَوْ مَنَعْتَنِي الْبَيْتَ لَمَنَعْتُكَ طَرِيقَكَ إِلَى الشَّامِ» „Bei Gott, wenn du mich am Haus verwehrst, werde ich dir deinen Handelsweg nach Sham versperren!“

Der Krieg war von Seiten der Tyrannei erklärt. Der islamische Staat in Medina hatte keine Wahl, als Aufrüstung zu betreiben und das Schwert zu ergreifen, um sein Überleben zu sichern.

Der moralische Auftrag zur Befreiung der Unterdrückten

Darüber hinaus besitzt ein starker Staat die ethische Pflicht, unterdrückten Völkern zur Hilfe zu eilen. Der Quran befiehlt:

«وَمَا لَكُمْ لَا تُقَاتِلُونَ فِي سَبِيلِ اللَّهِ وَالْمُسْتَضْعَفِينَ مِنَ الرِّجَالِ وَالنِّسَاءِ وَالْوِلْدَانِ الَّذِينَ يَقُولُونَ رَبَّنَا أَخْرِجْنَا مِنْ هَذِهِ الْقَرْيَةِ الظَّالِمِ أَهْلُهَا» (Sure Al-Nisa’: 75) „Was ist mit euch, dass ihr nicht auf dem Wege Allahs kämpft und für die Unterdrückten unter den Männern, Frauen und Kindern, die sagen: Unser Herr, bringe uns heraus aus dieser Stadt, deren Bewohner Ungerechte sind!“


6. Die Ethik der prophetischen Kampfführung

Wenn man untersucht, wie der Prophet Muhammad ﷺ das Schwert einsetzte, wird deutlich, dass seine Kriege die ethischsten und humansten Konflikte der gesamten Menschheitsgeschichte waren.

Die Zahlen der prophetischen Feldzüge

Der Prophet Muhammad ﷺ zog in 27 Feldzüge (Ghazawat). In lediglich neun dieser Feldzüge kam es überhaupt zu tatsächlichen Kampfhandlungen! In allen anderen Fällen führten die Schnelligkeit der Vorbereitung, die militärische Abschreckung und die strategische Überlegenheit dazu, dass die Feinde wichen und Blutvergießen vermieden wurde. Die Gesamtzahl der Gefallenen auf beiden Seiten über alle Feldzüge hinweg lag bei unter 1.200 Menschen – eine im Vergleich zu westlichen Filmen und Weltkriegen verschwindend geringe Zahl.

Der Verhaltenskodex des Militärrechts im Islam

Im islamischen Völkerrecht (Fiqh al-Jihad) gelten strengste Regeln:

Der französische Historiker Gustave Le Bon gestand in seinem Werk La Civilisation des Arabes ein:

«فَلَمْ يَعْرِفِ التَّارِيخُ فَاتِحِينَ مُتَسَامِحِينَ مِثْلَ الْعَرَبِ، وَلَا دِينًا مِثْلَ دِينِهِمْ» „Die Geschichte hat keine toleranteren und barmherzigeren Eroberer gekannt als die Araber, und keine Religion wie die ihre!“

Der Tag der Barmherzigkeit bei der Befreiung Makkahs

Als der Prophet ﷺ im Jahre 8 n.H. mit 10.000 Kämpfern zur Befreiung Makkahs einrückte, rief der Gefährte Sa’d ibn Ubadah (سَعْدُ بْنُ عُبَادَةَ) im Eifer des Gefechts:

«الْيَوْمَ يَوْمُ الْمَلْحَمَةِ، الْيَوْمَ تُسْتَحَلُّ الْحُرْمَةُ» „Heute ist der Tag der Schlacht! Heute wird das Heiligtum entweiht!“

Als der Prophet ﷺ dies hörte, korrigierte er ihn sogleich aufs Schärfste:

«كَذَبَ سَعْدٌ، وَلَكِنَّ هَذَا يَوْمُ الْمَرْحَمَةِ، الْيَوْمَ يُعَظِّمُ اللَّهُ فِيهِ الْكَعْبَةَ» „Sa’d hat sich geirrt! Vielmehr ist heute der Tag der Barmherzigkeit; heute ist der Tag, an dem Allah die Kaaba erhebt!“

Und nachdem er die Stadt ohne Blutvergießen eingenommen hatte, sprach er zu seinen einstigen Folterern und Todfeinden:

«مَا تَظُنُّونَ أَنِّي فَاعِلٌ بِكُمْ؟» „Was meint ihr, wie ich nun mit euch verfahren werde?“

Sie antworteten: „Ein edler Bruder und der Sohn eines edlen Bruders!“ Darauf verkündete der Prophet ﷺ die universelle Begnadigung:

«اذْهَبُوا فَأَنْتُمُ الطُّلَقَاءُ» „Geht hin, denn ihr seid frei!“

Darüber hinaus bewies der Vertrag von Hudaybiyyah (Sulh al-Hudaybiyyah / صُلْحُ الْحُدَيْبِيَةِ), dass der Prophet ﷺ stets den Verhandlungstisch bevorzugte, wenn die Gegenpartei Frieden wünschte.


7. Die staatsrechtliche Einordnung des Hadiths „Ich wurde befohlen zu kämpfen…“

Ein häufig missverstandener Hadith lautet:

«أُمِرْتُ أَنْ أُقَاتِلَ النَّاسَ حَتَّى يَشْهَدُوا أَنْ لَا إِلَهَ إِلَّا اللَّهُ وَأَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللَّهِ…» „Mir wurde befohlen, die Menschen zu bekämpfen, bis sie bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist…“

Rechtsgelehrte und Historiker haben den Gehalt dieses Hadiths präzise bestimmt: Das Ziel der Kampfführung ist die Errichtung der Souveränität und Oberhoheit des islamischen Wertesystems (Haymanat al-Islam), nicht die erzwungene Konversion von Individuen. Sobald die islamische Staatsordnung anerkannt wird, genießen Nicht-Muslim als Schutzbefohlene (Ahl al-Dhimmah) volle Glaubensfreiheit und Rechtsschutz.

Kalif Umar ibn al-Khattab (عُمَرُ بْنُ الْخَطَّابِ) wandte die Praxis der Schriftbesitzer sogar auf die Feueranbeter Persiens an («سُنُّوا بِهِمْ سُنَّةَ أَهْلِ الْكِتَابِ»), und spätere Gelehrte dehnten dies auf die Hindus in Indien aus.

In den Schriften der anderen Religionen finden sich im Übrigen noch weit schärfere Aussprüche. Im Evangelium nach Matthäus (إِنْجِيلُ مَتَّى – Kapitel 10, Vers 34–36) spricht Jesus:

«لَا تَظُنُّوا أَنِّي جِئْتُ لِأُلْقِيَ سَلَامًا عَلَى الْأَرْضِ، مَا جِئْتُ لِأُلْقِيَ سَلَامًا بَلْ سَيْفًا…» „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert!“


8. Die Lehre aus der Geschichte: Recht ohne Macht ist verloren

Die Erfahrung der Menschheit zeigt, dass bloße juristische Ansprüche, historische Dokumente und UN-Resolutionen ohne militärische Stärke wertlos bleiben.

Der ägyptische Freiheitskämpfer Ahmad Urabi (أَحْمَد عُرَابِي) schrieb 1882 in seinen Memoiren über die Scheinheiligkeit der britischen Kolonialmacht, die den Ägyptern verbot, ihre eigenen Küstenbefestigungen zu reparieren:

«وَقَدْ كُنَّا نَعْجَبُ كَيْفَ أَنَّ تَعْمِيرَ الْقِلَاعِ عَلَى شَوَاطِئِنَا هُوَ دَاءٌ عَلَى شَرَفِ الْجَيْشِ الْبَرِيطَانِيِّ، بَيْنَمَا وُرُودُ الْبَوَارِجِ إِلَيْنَا حَتَّى شَوَاطِئِنَا هُوَ نَوْعٌ مِنَ الدِّفَاعِ عَنِ النَّفْسِ» „Wir wunderten uns darüber, wie die Instandsetzung von Festungen an unseren eigenen Küsten als Verstoß gegen die Ehre der britischen Armee gewertet wurde, während das Eindringen britischer Kriegsschiffe bis an unsere Küsten als eine Art von Selbstverteidigung dargestellt wurde!“

Der palästinensische Jurist Ahmad al-Shuqairi (أَحْمَد الشُقَيْرِيُّ), Gründer der PLO, verbrachte 40 Jahre damit, in osmanischen Archiven Eigentumsnachweise für palästinensisches Land zu recherchieren und Prozesse zu führen. Sein bittersüßes Fazit lautete:

„Nach 40 Jahren juristischen Kampfes haben wir erkannt, dass unser Bestehen auf der Erde von Macht abhängt, nicht von Akten. Alle Ländereien, die wir vor Gerichten zurückgewannen, wurden schlussendlich von feindlichen Waffen besetzt und in Siedlungen verwandelt.“

Dichter Abu Tammam (أَبُو تَمَّامٍ) brachte dies in seiner Al-Qasīda al-Amūriyya (القَصِيدَة العَمُورِيَّة) auf den Punkt:

«السَّيْفُ أَصْدَقُ أَنْبَاءً مِنَ الْكُتُبِ * فِي حَدِّهِ الْحَدُّ بَيْنَ الْجِدِّ وَاللَّعِبِ» «أَجَبْتَهُ بِحُسَامِ السَّيْفِ مُنْصَلِتًا * وَلَوْ أَجَبْتَ بِغَيْرِ السَّيْفِ لَمْ تُجِبِ» „Das Schwert ist wahrhaftiger in seinen Kunde als die Bücher; in seiner Schärfe verläuft die Grenze zwischen Ernst und Spiel! Du hast ihm mit dem entblößten Schwert geantwortet; hättest du mit etwas anderem geantwortet, hättest du gar nicht geantwortet!“

Und Ahmad Shawqi (أَحْمَد شَوْقِي) dichtete an Atatürk:

«فَقُلْ لِبَانٍ بِقَوْلٍ رُكْنَ مَمْلَكَةٍ * عَلَى الْكَتَائِبِ يُبْنَى الْمُلْكُ لَا الْكُتُبِ» „Sprich zu demjenigen, der mit bloßen Worten das Fundament eines Reiches bauen will: Auf Bataillonen wird die Herrschaft errichtet, nicht auf Büchern!“


9. Fazit und Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich das Verhältnis von Macht und Glauben im Islam wie folgt auf den Punkt bringen:

  1. Der Glaube als persönliche Überzeugung wurde im Islam niemals durch das Schwert aufgezwungen. Der Quran verbietet Zwang im Glauben unmissverständlich («لَا إِكْرَاهَ فِي الدِّينِ»).
  2. Das islamische Staatswesen expandierte durch militärische Macht, genau wie jedes andere Staatswesen in der Menschheitsgeschichte. Kein Staat kann ohne Streitkräfte überleben oder Recht durchsetzen.
  3. Die prophetische Kampfführung war defensiv, ethisch und von Barmherzigkeit getragen. Das Schwert diente der Brechung von Tyrannei, dem Schutz der Gläubigen und der Befreiung der Unterdrückten.

Als der Prophet ﷺ ohne Macht in Makkah rief, spotteten die Tyrannen: «تَبًّا لَكَ أَلِهَذَا جَمَعْتَنَا» („Mögest du zugrunde gehen, hast du uns etwa hierfür versammelt?“). Als er jedoch am Tag der Befreiung Makkahs mit 10.000 Schwertern einrückte, neigten sie die Köpfe und sagten: «أَخٌ كَرِيمٌ وَابْنُ أَخٍ كَرِيمٍ» („Ein edler Bruder und der Sohn eines edlen Bruders!“).

Das ist der Lauf dieser Welt: Die Wahrheit benötigt das Schwert der Macht, um auf Erden aufrecht zu stehen.


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