661–750 n.Chr. · 41–132 n.H. · 21 Min. Lesezeit
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حالة النص: سليمEine umfassende, historische Richtigstellung über die Umayyaden-Dynastie, die Rekonstruktion ihrer genealogischen Wurzeln, ihrer militärischen Großtaten und ihrer Errungenschaften aus der Analyseperspektive von Dr. Muhammad Elhamy.
Orientierungshilfe: Bei der Fülle an Namen, Zweigen und Feldherren in diesem Kapitel lohnt sich ein Blick auf den Personenspiegel & Hierarchiekarte — eine eigene, kurze Übersichtsseite mit Stammbäumen, Kommandostruktur und einer Tabelle der häufigsten Namensverwechslungen.
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten, und Friede und Segen seien auf unserem Propheten Muhammad, seiner Familie und all seinen Gefährten.
Wenn wir heute das fünfte Kapitel unserer Enzyklopädie-Reihe betreten, das der Dynastie der Umayyaden (بَنُو أُمَيَّةَ) gewidmet ist, berühren wir eine Epoche, die in der modernen Geschichtsschreibung schweren Verfälschungen, Vorurteilen und historischer Ungerechtigkeit ausgesetzt war.
Es handelt sich bei den Umayyaden keineswegs um irgendeine weltliche Dynastie, sondern um jene gewaltige Großmacht, unter deren Banner die Einheit der gesamten islamischen Welt zum allerletzten Mal in der Geschichte unter einem einzigen Kalifen gefestigt wurde. Es war jene leuchtende Epoche, von der der große Historiker Imam Ibn Kathir (ابْنُ كَثِيرٍ) in seinem Monumentalwerk Al-Bidayah wan-Nihayah schrieb:
«كَانَتْ سُوقُ الْجِهَادِ قَائِمَةً فِي بَنِي أُمَيَّةَ لَيْسَ لَهُمْ شُغْلٌ إِلَّا ذَلِكَ»
„Der Markt des Jihads stand bei den Umayyaden in voller Blüte; sie kannten keine andere Beschäftigung als diesen!“
Trotz unaufhörlicher innerer Herausforderungen, politischer Unruhen und geografischer Zerreißproben entfalteten die Umayyaden eine militärische, administrative und architektonische Dynamik, die in der Menschheitsgeschichte ohne Beispiel ist. Um diese Epoche gerecht und wissenschaftlich objektiv zu würdigen, müssen wir ihre Strukturen von Grund auf verstehen.
Um das Phänomen der Umayyaden zu durchdringen, müssen wir zuerst ihre stammesgeschichtliche Herkunft und ihre genealogischen Wurzeln in Makkah (مَكَّةُ) freilegen.
Unser Prophet Muhammad ibn Abdullah ibn Abd al-Muttalib ibn Hashim ibn Abd Manaf ﷺ teilt seinen Ahnenstamm direkt mit den Umayyaden. Wenn wir den Stammbaum bis zu Abd Manaf (عَبْدُ مَنَافٍ) zurückverfolgen, finden wir bei ihm zwei herausragende Söhne:
Abd Shams zeugte einen Sohn namens Umayyah (أُمَيَّةُ). Somit war Umayyah der Neffe von Hashim. Aus der Nachkommenschaft Umayyahs gingen die beiden mächtigen Hauptzweige der Dynastie hervor:
[ Abd Manaf ]
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┌─────────┴─────────┐
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[ Hashim ] [ Abd Shams ]
│ │
(Banu Hashim) [ Umayyah ]
│ │
[ Prophet Muhammad ] (Banu Umayya)
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┌─────────────┴─────────────┐
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[ Harb ] [ Abi al-Aas ]
│ │
[ Sakhr / Abu Sufyan ] [ Al-Hakam ]
│ │
[ Muawiyah I. ] [ Marwan I. ]
(Sufyaniden-Zweig) (Marwaniden-Zweig)
Man könnte fragen, warum die Historiker den Staat nicht nach seinem Begründer Muawiyah I. als „Sufyaniden- oder Muawiyya-Staat“ bezeichneten. Der Grund liegt in einer tiefen Regel der arabischen Nomenklatur: Die Araber benennen Staaten stets nach dem gemeinsamen Stammvater (Al-Jadd al-Jami’), bei dem die herrschenden Zweige zusammenlaufen.
Als die Herrschaft nach dem frühen Tod von Muawiyahs Enkel (Muawiyah II.) vom Sufyaniden-Zweig auf den Marwaniden-Zweig überging, war der einzige gemeinsame Großvater, der beide Linien vereinte, Umayyah. Zudem meiden die Araber sprachliche Schwerfälligkeiten; Begriffe wie „Al-Dawlah al-Mu’awiyyah“ empfand das arabische Sprachgefühl als unästhetisch. Ein identisches Phänomen sehen wir bei der Ayyubiden-Dynastie: Obwohl Salahuddin das Reich begründete, ging die Herrschaft später auf die Nachkommen seines Bruders über, weshalb der Staat nach ihrem gemeinsamen Vater Ayyub benannt wurde.
In der vorislamischen Zeit gehörten drei Häuser zur absoluten Führungsspitze Makkahs (مَكَّةُ): Banu Hashim, Banu Makhzum und Banu Abd Shams. Zu Banu Abd Shams gehörten herausragende Persönlichkeiten wie Utbah ibn Rabi’ah, Shaybah ibn Rabi’ah, Hind bint Utbah, Uthman ibn Affan und Abu Sufyan (Sakhr ibn Harb).
Als die alt-mekkanische Führungselite in der Schlacht von Badr fiel, stieg Abu Sufyan zum unumstrittenen politischen und militärischen Oberhaupt Makkahs auf. Dieses Geschlecht zeichnete sich durch eine außergewöhnliche Kinderzahl, Wohlstand, scharfen Verstand, administrative Begabung und kaufmännische Netzwerke aus.
Manche moderne Historiker unterstellen Banu Umayyah fälschlicherweise eine prinzipielle Feindschaft zum Islam. Wer jedoch die authentische Seerah liest, wird feststellen, dass der Prophet Muhammad ﷺ und seine rechtgeleiteten Nachfolger sich in höchstem Maße auf die administrative und militärische Kompetenz dieses Hauses stützten.
Der große Gelehrte Sheikh al-Islam Ibn Taymiyyah hielt diesen historischen Befund unmissverständlich fest:
«لَا يُعْرَفُ فِي وُلَاةِ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَكْثَرُ عَدَدًا مِنْ بَنِي أُمَيَّةَ»
„Unter den von Rasulullah ﷺ eingesetzten Statthaltern gab es keine Stammeslinie, die in größerer Zahl vertreten war als Banu Umayyah!“
Unter dem Propheten Muhammad ﷺ:
Unter Abu Bakr al-Siddiq und Umar ibn al-Khattab:
Muawiyah regierte die strategisch hochgefährliche Provinz Sham (الشَّامُ) ununterbrochen für zwanzig Jahre als Statthalter (acht Jahre unter Umar, zwölf Jahre unter Uthman) und anschließend zwanzig Jahre als Kalif.
Man muss sich vor Augen halten, wer Umar ibn al-Khattab war: Umar war ein Herrscher von beispielloser Härte bei der Kontrolle seiner Statthalter. Er setzte Giganten wie Abu Hurairah (in Bahrain) oder Sa’d ibn Abi Waqqas (in Kufa) beim geringsten Verdacht oder zur Beruhigung der Bevölkerung ab. Dennoch ließ er Muawiyah zwanzig Jahre im Amt!
Als Umar einmal Sham (Levante) besuchte und die militärische Parade, die Garde und die Leibwache Muawiyahs erblickte, missfiel ihm dieser äußere Prunk zunächst. Doch Muawiyah erklärte klug:
„O Führer der Gläubigen, wir befinden uns an der unmittelbaren Grenze zum Byzantinischen Reich. Bei uns wimmelt es von spionierenden Byzantinern und feindlichen Agenten. Wenn wir keine militärische Stärke und Würde ausstrahlen, werden sie uns verachten und angreifen!“
Daraufhin schwieg Umar und sagte den berühmten Satz:
«مَا جَادَلْتُكَ فِي أَمْرٍ إِلَّا وَجَدْتُ لَكَ فِيهِ رَأْيًا، لَا آمُرُكَ وَلَا أَنْهَاكَ»
„Ich habe mit dir über keine Angelegenheit diskutiert, ohne dass ich bei dir eine durchdachte Begründung fand; ich befehle es dir nicht, noch verbiete ich es dir!“
Der große Biografie-Historiker Imam Al-Dhahabi (الذَّهَبِيُّ) schrieb in Siyar A’lam al-Nubala’:
«وَحَسْبُكَ بِمَنْ يُوَلِّيهِ عُمَرُ وِلَايَةً فَيَرْضَى عَنْهُ فِيهَا، وَهِيَ ثَغْرٌ مِنْ ثُغُورِ الْجِهَادِ، فَيَضْبِطُهُ أَتَمَّ الضَّبْطِ وَيَسُوسُهُ أَحْسَنَ السِّيَاسَةِ»
„Es genügt dir als Zeugnis, dass Umar ihn mit einer Statthalterschaft betraute und mit ihm zufrieden blieb – an einer gefährlichen Grenzzone gegen das Byzantinische Reich –, wo er die Region vollkommen absicherte und mit höchster Staatskunst regierte!“
Muawiyah besaß den Weitblick, die erste muslimische Kriegsflotte im Mittelmeer aufzubauen. Während Umar das Wagnis der Seefahrt aus Sorge um muslimisches Leben noch untersagte, gestattete Uthman den Jihad zur See unter der Bedingung, dass Muawiyah seine eigene Ehefrau mit an Bord nahm. Muawiyah eroberte Zypern und begründete die maritime Macht des Islams. Genau auf diese Flotte bezieht sich der authentische Hadith im Sahih al-Bukhari:
«أَوَّلُ جَيْشٍ مِنْ أُمَّتِي يَغْزُونَ الْبَحْرَ قَدْ أَوْجَبُوا»
„Das erste Heer meiner Ummah, das zur See zieht, hat sich das Paradies verdient!“
Der Gefährte Abdullah ibn Umar rühmte die Führungsqualität Muawiyahs mit den Worten:
«مَا رَأَيْتُ أَسْوَدَ مِنْ مُعَاوِيَةَ»
„Ich habe niemanden gesehen, der meisterhafter in der Führungs- und Souveränitätskunst war als Muawiyah!“
Man fragte Ibn Umar: „Auch nicht Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali?“ Er antwortete: „Sie waren wahrlich besser als Muawiyah, aber Muawiyah war souveräner und geschickter in der weltlichen Staatsführung als sie!“
Sogar die Mutter Yazids I., Maysun bint Bahdal al-Kalbiyyah (مَيْسُونُ بِنْتُ بَحْدَلٍ الْكَلْبِيَّةُ), verkörperte diese stolze, unverfälschte Beduinen-Identität. Als Muawiyah sie in den Palast nach Damaskus holte, sehnte sie sich nach der Freiheit der Wüste und dichtete ihre berühmten Verse:
لَبَيْتٌ تَخْفِقُ الأَرْوَاحُ فِيهِ … أَحَبُّ إِلَيَّ مِنْ قَصْرٍ مُنِيفِ وَكَلْبٌ يَنْبَحُ الطُّرَّاقَ عَنِّي … أَحَبُّ إِلَيَّ مِنْ قِطٍّ أَلِيفِ وَلُبْسُ عَبَاءَةٍ وَتَقَرَّ عَيْنِي … أَحَبُّ إِلَيَّ مِنْ لُبْسِ الشُّفُوفِ وَأَكْلُ كُسَيْرَةٍ فِي كِسْرِ بَيْتِي … أَحَبُّ إِلَيَّ مِنْ أَكْلِ الرَّغِيفِ فَفَضْلُ عِيشَتِي فِي الْبَدْوِ شَهِيٌّ … إِلَى قَلْبِي مِنَ العَيْشِ المُنِيفِ
„Wahrlich, ein Nomadenzelt, in dem die Wüstenwinde wehen, ist mir lieber als ein aufragender Palast! Und ein Hund, der die nächtlichen Besucher von mir verbellt, ist mir lieber als eine zahme Katze! Und das Tragen eines schlichten Gewandes, während mein Auge ruht, ist mir lieber als das Tragen feiner Seide! Und das Essen eines trockenen Brotes im Winkel meines Zeltes ist mir lieber als das Essen eines frischen Laibes! Denn die Vorzüglichkeit meines Lebens in der Wüste ist meinem Herzen köstlicher als das erhabene Palastleben!“
Um die Geschichte der Umayyaden zu überschauen, unterteilen wir ihre 92-jährige Herrschaft in vier präzise Epochen:
[ 1. Gründungsphase ] ───> [ 2. Zweite Fitnah ] ───> [ 3. Blütephase / Dhorwah ] ───> [ 4. Niedergang ]
(41 n.H. – 64 n.H.) (64 n.H. – 73 n.H.) (73 n.H. – 125 n.H.) (125 n.H. – 132 n.H.)
Muawiyah I. & Yazid I. Ibn al-Zubayr / Marwan I. Abdul Malik & seine 4 Söhne Walid II. bis Marwan II.
Die Gründungsphase (41 n.H. bis 64 n.H.): Begann im „Jahr der Gemeinschaft“ (’Am al-Jama’ah - 41 n.H.) durch die Abdankung von Al-Hasan ibn Ali (الْحَسَنُ بْنُ عَلِيٍّ) zugunsten von Muawiyah I. Sie umfasst die 20-jährige Herrschaft Muawiyahs I., die dreijährige Regierungszeit seines Sohnes Yazid I. und die kurze Amtszeit seines Enkels Muawiyah II. (40 Tage bis 3 Monate), der auf das Amt verzichtete und die Schura ausrief.
Die Zweite Fitnah und das Provisorium (64 n.H. bis 73 n.H.): Eine zehnjährige Phase der Zersplitterung. Die rechtmäßige Khilafah lag in dieser Epoche bei Abdullah ibn al-Zubayr (عَبْدُ اللَّهِ بْنُ الزُّبَيْرِ) in Makkah (مَكَّةُ), dem sich fast alle Provinzen anschlossen. Nach der Schlacht von Marj Rahit (مَرْجِ رَاهِطٍ) (64 n.H.) festigte Marwan ibn al-Hakam (مَرَوْانُ بْنُ الْحَكَمِ) den umayyadischen Rumpfstaat in Sham, woraufhin sein Sohn Abdul Malik ibn Marwan das Reich gewaltsam wiedervereinigte.
Die Blütephase und das Goldene Zeitalter (73 n.H. bis 125 n.H.): Die Epoche der Stabilisierung und der maximalen zivilisatorischen Macht. Sie umfasst die Herrschaft von Abdul Malik ibn Marwan und seinen vier Söhnen: Al-Walid I., Sulayman, Yazid II. und Hisham, unterbrochen von der leuchtenden, zweijährigen besonders gerechten Herrschaft ihres Cousins Umar ibn Abdul Aziz (عُمَرُ بْنُ عَبْدِ الْعَزِيزِ - 99 bis 101 n.H.). Das Reich dehnete sich in dieser Phase von den Grenzen Chinas bis nach Südfrankreich aus.
Der Niedergang und der Sturz (125 n.H. bis 132 n.H.): Mit dem Tod Hishams im Jahr 125 n.H. setzte der innere Verfall ein. Thronwirren unter Al-Walid II., Yazid III. und Ibrahim gipfelten in der Herrschaft von Marwan II. (Marwan al-Himar – benannt nach seiner eisernen Ausdauer im Krieg). Im Jahr 132 n.H. stürzten die Abbasiden nach der Schlacht am Zab-Fluss die Dynastie endgültig.
Wer die Geschichte der Umayyaden untersucht, muss erkennen, dass diese Dynastie zwei historischen Wellen massiver Verleumdung und Entstellung ausgesetzt war:
Als die Abbasiden die Umayyaden im Jahr 132 n.H. stürzten, betrieben sie eine systematische Entmachtung und historische Dämonisierung ihrer Vorgänger. Da viele Geschichtswerke und Chroniken in der Frühzeit der Abbasiden-Herrschaft niedergeschrieben wurden, flossen parteiische Tendenzen, Übertreibungen und Erfindungen in die Berichte ein. Nichtsdestotrotz blieben die großen kritischen Historiker (wie Ibn Kathir, Al-Dhahabi oder Ibn Khaldun) objektiv genug, die gigantischen Leistungen der Umayyaden unumstößlich festzuhalten.
Die weitaus gefährlichere Welle der Verleumdung entstand in der Moderne. Als die islamische Ummah im 19. und 20. Jahrhundert militärisch, politisch und geistig unterlegen war und von westlichen Kolonialmächten beherrscht wurde, erwachten Muslime in einem Zustand der Niedergeschlagenheit. Sie sahen, dass die siegreichen Mächte (Großbritannien, USA, Frankreich) Systeme wie Parlamente, Wahlen und Gewaltenteilung vertraten.
Hier griff das soziologische Gesetz von Ibn Khaldun über die Psychologie des Besiegten (Al-Maghlub / المَغْلُوب):
«الْمَغلُوبُ مُولَعٌ أَبَدًا بِالِاقْتِدَاءِ بِالْغَالِبِ فِي شِعَارِهِ وَزِيِّهِ وَنِحْلَتِهِ وَسَائِرِ أَحْوَالِهِ وَعَوَائِدِهِ»
„Der Besiegte ist in seiner Psychologie auf ewige Zeit leidenschaftlich davon besessen, dem Sieger in seinen Symbolen, seiner Kleidung, seinen Glaubensbekenntnissen sowie in all seinen Zuständen und Gewohnheiten nachzueifern!“
In diesem Geisteszustand der geistigen Niederlage fragten sich manche zeitgenössische muslimische Autoren und Prediger: „Warum sind wir heute schwach? Wer hat die Kette der prophetischen “Demokratie” durch die freie Wahl durchbrochen?“
Anstatt die Ursachen in der eigenen heutigen Schwäche, Passivität und Wissenschaftsferne zu suchen, flüchteten sie vor der historischen Verantwortung und zeigten mit dem Finger auf Muawiyah I. und die Umayyaden! Sie beschuldigten Muawiyah, die Schura zerstört und die Erbmonarchie eingeführt zu haben, und machten eine Entscheidung vor 1400 Jahren für die heutige Niederlage der Ummah verantwortlich.
Wer diese Beschuldigung erhebt, verfällt einer absurd anachronistischen Logik und blendet die Gesetze der Geopolitik vollkommen aus:
Die Illusion der imperialen Demokratie:
Die unbegründete Härte gegen die eigenen Vorfahren:
Wenn wir die Verdienste der Umayyaden betrachten, müssen wir betonen: Alles, was wir an Lob über sie aussprechen, steht im Schatten der Rechtgeleiteten Kalifen. Der Prophet ﷺ ordnete die Epochen der Geschichte klar ein:
«تَكُونُ النُّبُوَّةُ فِيكُمْ مَا شَاءَ اللَّهُ أَنْ تَكُونَ، ثُمَّ يَرْفَعُهَا إِذَا شَاءَ أَنْ يَرْفَعَهَا، ثُمَّ تَكُونُ خِلَافَةٌ عَلَى مِنْهَاجِ النُّبُوَّةِ… ثُمَّ تَكُونُ مُلْكًا عَاضًًّا…»
„Das Prophetentum wird unter euch sein, solange Allah es will. Dann wird Er es aufheben, wenn Er es aufzuheben gedenkt. Danach wird ein Rechtgeleitetes Kalifat auf der Methode des Prophetentums sein, und es wird dauern, solange Allah es will. Dann wird Er es aufheben, wenn Er es aufzuheben gedenkt. Danach wird ein beißendes/festhaltendes Königtum sein [Mulkan ’Addan]…“
Die Umayyaden bildeten den Auftakt dieser Epoche der Königsherrschaft. Dennoch stellt die Umayyaden-Dynastie die gewaltigste Ära der islamischen Staatskunst nach den Rechtgeleiteten Kalifen dar. Ihre Verdienste gliedern sich in fünf monumentale Pfeiler:
Die Umayyaden schufen die letzte weltweite Reichseinheit der islamischen Geschichte. Nach dem Sturz der Umayyaden im Jahr 132 n.H. gelang es keiner nachfolgenden Dynastie mehr – weder den Abbasiden noch den Osmanen –, die gesamte muslimische Ummah unter einem einzigen Staatsoberhaupt zu vereinen.
In Al-Andalus herrschten die geflüchteten Umayyaden unabhängig, in Nordafrika entstanden eigenständige Reiche, und das Osmanische Reich umfasste niemals den gesamten Osten und Westen der islamischen Welt. Unter den Umayyaden dagegen erließ ein einziger Kalif in Damaskus (دِمَشْقُ) Befehle, die zeitgleich an den Grenzen Chinas, im Indus-Tal, am Kaspischen Meer, im Maghreb und an den Pyrenäen in Frankreich befolgt wurden!
Unter den Umayyaden erlebte die islamische Expansion ihren absoluten Höhepunkt. Während moderne Großmächte wie die USA bereits beim Führen von zwei simultanen Regionalkriegen in schwerste Krisen geraten – wie der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates in seinen Memoiren gestand, dass jeder US-Präsident, der erneut zwei Landkriege in Asien oder dem Nahen Osten anordnet, seinen Verstand untersuchen lassen sollte –, führten die Umayyaden zeitgleich Krieg an vier gigantischen Weltfronten:
[ KALIFAT IN DAMASKUS ]
│
┌─────────────────┬───────────┴───────────┬─────────────────┐
│ │ │ │
[ 1. Ostfront ] [ 2. Zentralasien ] [ 3. Kaukasus/Byzanz ] [ 4. Westfront ]
Indus-Tal Transoxanien Kaspisches Meer Maghreb/Spanien
(M. b. Qasim) (Qutaybah b. Muslim) (Maslamah b. A. Malik) (Musa b. Nusayr)
Der britische Feldmarschall Bernard Montgomery (A History of Warfare) stellte fasziniert fest, dass die von den Muslimen eroberte Völker (wie die Berber Nordafrikas) keineswegs unterdrückt wurden. Innerhalb weniger Jahre nahmen sie den Islam aus freier Überzeugung an und wurden selbst zu den begeistertsten Vorkämpfern und Feldherren Europas! Dies geschah unter keiner anderen Kolonialmacht der Weltgeschichte.
Andere Imperien (Römer, Briten, Franzosen): Wenn sie ein Land eroberten, blieben die unterworfenen Völker Bürger 2. Klasse. Sie wurden höchstens als Hilfstruppen oder Zwangsrekrutierte für die Armee ausgenutzt, stiegen aber praktisch nie in die Oberkommandos oder die echte politische Führung auf.
Die Umayyaden: Als die Berber in Nordafrika den Islam annahmen, wurden sie nicht als Unterdrückte behandelt, sondern wurden innerhalb weniger Jahre selbst die Oberbefehlshaber der islamischen Armeen (wie Tariq ibn Ziyad, der selbst Berber war und Spanien befreite).
Der französische Kaiser Napoleon Bonaparte hielt in seinen Memoiren auf St. Helena (Mémorial de Sainte-Hélène) fest:
„Die Muslime vollbrachten in achtzig Jahren das, wozu das Römische Reich acht Jahrhunderte benötigte. Sie tilgten die Götzenanbetung und befreiten die Menschheit!“
Der Historiker Arnold Toynbee unterstrich, dass die arabisch-islamische Expansion das einzige Beispiel der Weltgeschichte bleibt, bei dem die unterworfenen Völker die Kultur, Sprache und Religion der Sieger freiwillig übernahmen.
Vor den Umayyaden lief die Verwaltung in den eroberten Provinzen aus Gründen der physischen Geschwindigkeit in den Altsprachen weiter: In Ägypten auf Koptisch, in Sham auf Griechisch, im Irak und Persien auf Pahlavi.
Kalif Abdul Malik ibn Marwan vollzog eine gigantische zivilisatorische Reform:
Die Arabisierung der Dawaawin: Er erhob die arabische Sprache zur alleinigen universellen Verwaltungs-, Wissenschafts- und Behördensprache des Weltreiches. Der Prophet ﷺ definierte die arabische Identität mit den Worten:
«إِنَّمَا العَرَبِيَّةُ اللِّسَانُ، فَمَنْ تَكَلَّمَ بِالعَرَبِيَّةِ فَهُوَ عَرَبِيٌّ» „Die arabische Identität bestimmt sich allein durch die Sprache; wer also Arabisch spricht, der ist ein Araber!“
Die eigene Münzprägung: Er schaffte die Abhängigkeit von byzantinischen Gold-Solidi und sassanidischen Silber-Dramen ab und prägte den ersten reinen islamischen Gold-Dinar und Silber-Dirham mit arabischen Kufi-Inschriften und Quran-Versen.
Diese Wirtschaftsreform glich in ihren Auswirkungen dem modernen US-Dollar-Hegemonieentscheid von 1971, beruhte jedoch im Gegensatz dazu auf echtem Edelmetall und förderte den uneingeschränkten Binnenhandel ohne Währungsverluste von Indien bis Spanien. Zudem entstanden unter den Umayyaden die allerersten Anfänge der wissenschaftlichen Übersetzungsbewegung (Tarjamah) aus dem Syrischen, Indischen und Griechischen.
Obwohl die Umayyaden über unermesslichen Reichtum verfügten, bewahrten sie die Schlichtheit der arabischen Wüstentradition. Der große andalusische gelehrte Imam Ibn Hazm (ابْنُ حَزْمٍ) betonte:
«وَكَانَتْ دَوْلَةً عَرَبِيَّةً لَمْ يَكُنْ فِيهَا التَّسْوِيدُ وَلَا التَّقْبِيلُ»
„Es war eine rein arabische Herrschaft. Es gab darin weder das persische Unterwerfungszeremoniell noch das Erdeküssen vor dem Herrscher!“
Ein einfacher Untertan konnte vor den mächtigsten Kalifen wie Hisham ibn Abdul Malik treten und ihn direkt mit seinem Vornamen ansprechen: „O Hisham!“, ohne dass ihn die Wachen niederhieben. Es gab keine persischen Kniefälle, keine sakralen Hüllen und keine unzugänglichen Herrscherpaläste nach byzantinischem Vorbild.
Erst unter den Abbasiden hielten durch den Einfluss persischer Berater das königliche Hofzeremoniell (Adab al-Muluk), die körperliche Abschirmung des Herrschers und sakrale Throntitel Einzug. Während die Umayyaden ausschließlich unter ihren einfachen Namen regierten, wurden unter den Abbasiden Herrschertitel wie Al-Rashid, Al-Ma’mun, Al-Amin, Al-Muntasir, Al-Mu’tasim oder Al-Wathiq eingeführt. Wie der Historiker Imam Ibn Kathir (ابْنُ كَثِيرٍ) betonte, kannten die Umayyaden noch keine Abschottung des Vermögens oder der Person (Al-Ihtijan) vor den einfachen Gläubigen.
Die Umayyaden begründeten die klassische monumentale Architektur des Islams. Zwei zeitlose Denkmäler zeugen bis heute von ihrer Genialität:
Diese Prachtbauten waren keine eitle Verschwendung, sondern dienten als psychologische Waffe im Kulturkampf (Al-Jamal ka-Silah Harbi).
Als in der Regierungszeit von Umar ibn Abdul Aziz eine hochrangige byzantinische Gesandtschaft nach Damaskus reiste und die Umayyaden-Moschee betrat, wichen die Gesandten erschüttert zurück. Sie erblickten die ästhetische Majestät und die architektonische Überlegenheit des Islams und sagten zueinander: „Wahrlich, das Reich dieser Leute wird niemals mehr aus der Erde getilgt werden!“ Sie gaben jeden Gedanken an eine Rückeroberung Shams (Levante) auf.
Wenn wir das Kapitel der Umayyaden-Dynastie abschließen, lässt sich ihre historische Rolle in folgenden Kernerkenntnissen zusammenfassen:
Gegründet auf den historischen Analysen von Dr. Muhammad Elhamy in Episode 22 der Enzyklopädie-Reihe „100 Fragen in der Geschichte“.
A comprehensive constitutional, historical, and civilizational rectification regarding the Umayyad Dynasty, the reconstruction of their genealogical roots, their great military feats, and their achievements from the analytical perspective of Dr. Muhammad Elhamy
When we enter today the fifth chapter of our encyclopedia series, dedicated to the dynasty of the Umayyads (Banu Umayyah / بَنُو أُمَيَّةَ), we touch upon an era that in modern historiography has been subjected to severe distortions, prejudices, and historical injustice. The Umayyads were not just any secular dynasty, but rather that mighty empire under whose banner the unity of the entire Islamic world was consolidated for the very last time in human history under a single Caliph. It was that era of which the great historian Imam Ibn Kathir (ابْنُ كَثِيرٍ) wrote in his monumental work Al-Bidayah wan-Nihayah:
«كَانَتْ سُوقُ الْجِهَادِ قَائِمَةً فِي بَنِي أُمَيَّةَ لَيْسَ لَهُمْ شُغْلٌ إِلَّا ذَلِكَ» “The market of Jihad was in full bloom among the Umayyads; they knew no other occupation than this!”
Despite unceasing internal challenges, political unrest, and geographical tearing forces, the Umayyads unleashed a military, administrative, and architectural dynamism that is without parallel in human history. To appreciate this era justly and with scientific objectivity, we must understand its structures from the ground up.
In order to penetrate the phenomenon of the Umayyads, we must first uncover their tribal origins and genealogical roots in Makkah (مَكَّةُ).
Our Prophet Muhammad ibn Abdillah ibn Abd al-Muttalib ibn Hashim ibn Abd Manaf ﷺ shares his ancestral lineage directly with the Umayyads. When we trace the family tree back to Abd Manaf (عَبْدُ مَنَافٍ), we find in him two prominent sons:
Abd Shams fathered a son named Umayyah (أُمَيَّةُ). Thus, Umayyah was the nephew of Hashim. From the lineage of Umayyah emerged the two powerful main branches of the dynasty:
[ Abd Manaf ]
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┌─────────────────┴─────────────────┐
│ │
[ Hashim ] [ Abd Shams ]
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(Banu Hashim) [ Umayyah ]
│ │
[ Prophet Muhammad ﷺ ] (Banu Umayyah)
│
┌─────────────────────┴─────────────────────┐
│ │
[ Harb / Sakhr ] [ Abi al-Aas ]
│ │
[ Abu Sufyan / Muawiyah I ] [ Al-Hakam / Marwan I ]
(Sufyanid Branch) (Marwanid Branch)
One might ask why historians did not name the state after its founder Muawiyah I as the “Sufyanid or Muawiyya State”. The reason lies in a deep rule of Arabic nomenclature: Arabs always name states after the common progenitor (Al-Jadd al-Jami’ / الْجَدُّ الْجَامِعُ) at whom the ruling branches converge. When governance passed from the Sufyanid branch to the Marwanid branch after the early death of Muawiyah’s grandson (Muawiyah II), the only common grandfather uniting both lines was Umayyah. Furthermore, Arabs avoid linguistic awkwardness; terms like “Al-Dawlah al-Mu’awiyyah” were felt by the Arabic linguistic sensibility to be unesthetic. We observe an identical phenomenon in the Ayyubid Dynasty (Ad-Dawlah al-Ayyubiyyah): although Saladin (Salah al-Din) founded the empire, rule later passed to the descendants of his brother, which is why the state was named after their common father Ayyub.
In pre-Islamic times, three houses belonged to the absolute leadership of Makkah: Banu Hashim, Banu Makhzum, and Banu Abd Shams. Banu Abd Shams included prominent figures such as Utbah ibn Rabi’ah, Shaybah ibn Rabi’ah, Hind bint Utbah, Uthman ibn Affan (عُثْمَانُ بْنُ عَفَّانَ), and Abu Sufyan (أَبُو سُفْيَانَ). When the old Makkan leadership elite fell in the Battle of Badr, Abu Sufyan rose to become the undisputed political and military head of Makkah. This clan was distinguished by an extraordinary number of offspring, wealth, sharp intellect, administrative talent, and commercial networks.
Some modern historians falsely attribute to Banu Umayyah a fundamental hostility toward Islam. However, whoever reads the authentic Seerah will find that Prophet Muhammad ﷺ and his rightly-guided successors relied to the highest degree on the administrative and military competence of this house. The great scholar Sheikh al-Islam Ibn Taymiyyah (ابْنُ تَيْمِيَّةَ) recorded this historical finding unequivocally:
«لَا يُعْرَفُ فِي وُلَاةِ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَكْثَرُ عَدَدًا مِنْ بَنِي أُمَيَّةَ» “Among the governors appointed by Rasulullah ﷺ, there was no tribal lineage represented in greater numbers than Banu Umayyah!”
Muawiyah ruled the strategically highly dangerous province of Sham continuously for twenty years as governor (eight years under Umar, twelve years under Uthman) and subsequently twenty years as Caliph. One must keep in mind who Umar ibn al-Khattab was: Umar was a ruler of unprecedented firmness when supervising his governors. He dismissed giants like Abu Hurairah (in Bahrain) or Sa’d ibn Abi Waqqas (in Kufa) upon the slightest suspicion or to appease the population. Yet he left Muawiyah in office for twenty years!
The great biographer-historian Imam Al-Dhahabi (الذَّهَبِيُّ) wrote in Siyar A’lam al-Nubala’:
«وَحَسْبُكَ بِمَنْ يُوَلِّيهِ عُمَرُ وِلَايَةً فَيَرْضَى عَنْهُ فِيهَا، وَهِيَ ثَغْرٌ مِنْ ثُغُورِ الْجِهَادِ، فَيَضْبِطُهُ أَتَمَّ الضَّبْطِ وَيَسُوسُهُ أَحْسَنَ السِّيَاسَةِ» “It suffices you as testimony that Umar entrusted him with a governorship and remained pleased with him in it – at a dangerous Jihad frontier against the Byzantine Empire –, where he secured the region completely and governed it with the highest statesmanship!”
Muawiyah possessed the foresight to build the first Muslim naval fleet in the Mediterranean. While Umar had forbidden naval ventures out of concern for Muslim lives, Uthman permitted maritime Jihad under the condition that Muawiyah took his own wife on board. Muawiyah conquered Cyprus and founded the maritime power of Islam. It is precisely to this fleet that the authentic Hadith in Sahih al-Bukhari refers:
«أَوَّلُ جَيْشٍ مِنْ أُمَّتِي يَغْزُونَ الْبَحْرَ قَدْ أَوْجَبُوا» “The first army of my Ummah to wage war at sea has earned Paradise!”
The Companion Abdullah ibn Umar (عَبْدُ اللَّهِ بْنُ عُمَرَ) praised the leadership qualities of Muawiyah with the words:
«مَا رَأَيْتُ أَسْوَدَ مِنْ مُعَاوِيَةَ» “I have seen no one more masterful in the art of leadership and sovereignty [Al-Siwād / Al-Hilm] than Muawiyah!”
Ibn Umar was asked: “Not even Abu Bakr, Umar, Uthman, and Ali?” He replied: “They were truly better than Muawiyah, but Muawiyah was more sovereign and adept in worldly statecraft than they!”
To survey the history of the Umayyads, we divide their 92-year reign into four precise eras:
[ 1. Founding Phase ] ───> [ 2. Second Fitnah ] ───> [ 3. Peak Phase / Dhorwah ] ───> [ 4. Decline ]
(41 AH – 64 AH) (64 AH – 73 AH) (73 AH – 125 AH) (125 AH – 132 AH)
Muawiyah I & Yazid I Ibn al-Zubayr / Marwan I Abdul Malik & his 4 sons Walid II to Marwan II
When we examine the merits of the Umayyads, we must emphasize: Everything we articulate in praise of them stands in the shadow of the Rightly-Guided Caliphs. Nevertheless, the Umayyad Dynasty represents the most formidable era of Islamic statecraft after the prophetic period.
The Umayyads created the last worldwide imperial unity in Islamic history. After the fall of the Umayyads in the year 132 AH, no subsequent dynasty succeeded – neither the Abbasids nor the Ottomans – in uniting the entire Muslim Ummah under a single head of state. In Al-Andalus, the fled Umayyads ruled independently; in North Africa, independent realms emerged; and the Ottoman Empire never encompassed the entirety of the East and West of the Islamic world. Under the Umayyads, by contrast, a single Caliph in Damascus (دِمَشْقُ) issued orders that were simultaneously obeyed at the borders of China, in the Indus Valley, at the Caspian Sea, in the Maghreb, and at the Pyrenees in France!
Under the Umayyads, Islamic expansion reached its absolute peak. While modern superpowers like the US fall into severe crises when leading even two simultaneous regional wars, the Umayyads simultaneously waged war on four gigantic global fronts:
[ CALIPHATE IN DAMASCUS ]
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┌─────────────────┬───────────┴───────────┬─────────────────┐
│ │ │ │
[ 1. Eastern Front ] [ 2. Central Asia ] [ 3. Caucasus/Byzantium ] [ 4. Western Front ]
Indus Valley Transoxiana Caspian Sea Maghreb/Spain
(M. b. Qasim) (Qutaybah b. Muslim) (Maslamah b. A. Malik) (Musa b. Nusayr)
British Field Marshal Bernard Montgomery wrote in amazement in his standard work A History of Warfare: The Islamic conquests were the greatest military miracle in history because the liberated peoples (such as the Berbers in North Africa) were not oppressed, but accepted Islam within a few years and became themselves the most enthusiastic champions and liberators of Europe! The French Emperor Napoleon Bonaparte recorded in his memoirs on St. Helena:
“The Muslims accomplished in eighty years what took the Roman Empire eight centuries. They eradicated idolatry and liberated humanity!”
Prior to the Umayyads, administration in conquered provinces continued for reasons of physical speed in old local languages: in Egypt in Coptic, in Sham in Greek, in Iraq and Persia in Pahlavi.
Caliph Abdul Malik ibn Marwan executed a monumental civilizational reform:
This economic reform equaled in its impact the modern US Dollar hegemony decision of 1971, yet by contrast rested upon genuine precious metal and promoted unrestricted internal trade without currency losses from India to Spain. Furthermore, under the Umayyads emerged the earliest beginnings of the scientific translation movement (Tarjamah) from Syriac, Indian, and Greek.
Although the Umayyads possessed immense wealth, they preserved the simplicity of the Arabic desert tradition. The great Andalusian phenomenologist Imam Ibn Hazm (ابْنُ حَزْمٍ) emphasized:
“The rule of the Umayyads was a purely Arab rule. There was in it neither the Persian ceremonial of subjugation [Al-Tasweed] nor kissing the ground [Al-Taqbeel] before the ruler!”
A simple subject could step before the most powerful Caliphs like Hisham ibn Abdul Malik and address him directly by his first name: “O Hisham!”, without guards striking him down. There were no Persian prostrations, no sacred veils, and no inaccessible ruler palaces after the Byzantine model. Only under the Abbasids did Persian court ceremonials, titles like Al-Mansur or Al-Rashid, and constant veiling of the ruler gain entry.
The Umayyads established the classical monumental architecture of Islam. Two timeless monuments bear witness to their genius to this day:
Dr. Muhammad Elhamy points out in his research that these magnificent structures were no vain extravagance. They served as a psychological weapon in the cultural struggle against the Byzantine Empire. When envoys of the Eastern Roman Empire traveled to Jerusalem or Damascus and beheld this architectural majesty, their intellectual arrogance collapsed instantly. They recognized that Muslims were far superior to the Byzantine Empire not only militarily, but also culturally, aesthetically, and administratively.
Let us conclude by considering the modern accusation against Muawiyah regarding the introduction of hereditary succession. How was Muawiyah in the 7th century – in a fragmented empire stretching from China to France, without telegraphs, newspapers, automobiles, or a functioning population register – supposed to organize an empire-wide democratic election system? The empire rested upon unwritten Khaldunian tribal loyalty. Without an orderly, clear succession from the strongest and best-organized tribe (Banu Umayyah), the empire would inevitably have fallen apart into bloody tribal warfare after his death. Muawiyah’s decision was thus no act of mere lust for power, but a pragmatic, responsible statesperson’s act to protect Muslim blood.
It is a downright grotesque double standard when modern thinkers attempt to measure this era by the standards of Western empires. Neither the British Empire nor the US ever permitted their colonized peoples (whether in India, Egypt, or Iraq) to vote on their leadership. Whoever condemns Muawiyah today in a state of one’s own political weakness suffers from cowardly historical escape and refuses to acknowledge the hard, realpolitik laws of human history.
The Umayyad Dynasty was no historical accident, but rather the administrative and military backbone that permanently secured the spread of Islam across the three then-known continents. They combined unstoppable Jihad on the outer frontiers with a deep embedding of the Arabic language and culture in the interior. Whoever understands the Umayyads grasps the geostrategic dynamism that elevated Islam from a regional movement on the Arabian Peninsula to the defining world civilization of humanity.
Based on the historical, constitutional, and methodological analyses of Dr. Muhammad Elhamy in Episode 22 of the encyclopedia series “100 Questions in History”.
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Eine umfassende, historische Richtigstellung über die Umayyaden-Dynastie, die Rekonstruktion ihrer genealogischen Wurzeln, ihrer militärischen Großtaten und ihrer Errungenschaften aus der Analyseperspektive von Dr. Muhammad Elhamy.
Orientierungshilfe: Bei der Fülle an Namen, Zweigen und Feldherren in diesem Kapitel lohnt sich ein Blick auf den Personenspiegel & Hierarchiekarte — eine eigene, kurze Übersichtsseite mit Stammbäumen, Kommandostruktur und einer Tabelle der häufigsten Namensverwechslungen.
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten, und Friede und Segen seien auf unserem Propheten Muhammad, seiner Familie und all seinen Gefährten.
Wenn wir heute das fünfte Kapitel unserer Enzyklopädie-Reihe betreten, das der Dynastie der Umayyaden (بَنُو أُمَيَّةَ) gewidmet ist, berühren wir eine Epoche, die in der modernen Geschichtsschreibung schweren Verfälschungen, Vorurteilen und historischer Ungerechtigkeit ausgesetzt war.
Es handelt sich bei den Umayyaden keineswegs um irgendeine weltliche Dynastie, sondern um jene gewaltige Großmacht, unter deren Banner die Einheit der gesamten islamischen Welt zum allerletzten Mal in der Geschichte unter einem einzigen Kalifen gefestigt wurde. Es war jene leuchtende Epoche, von der der große Historiker Imam Ibn Kathir (ابْنُ كَثِيرٍ) in seinem Monumentalwerk Al-Bidayah wan-Nihayah schrieb:
«كَانَتْ سُوقُ الْجِهَادِ قَائِمَةً فِي بَنِي أُمَيَّةَ لَيْسَ لَهُمْ شُغْلٌ إِلَّا ذَلِكَ»
„Der Markt des Jihads stand bei den Umayyaden in voller Blüte; sie kannten keine andere Beschäftigung als diesen!“
Trotz unaufhörlicher innerer Herausforderungen, politischer Unruhen und geografischer Zerreißproben entfalteten die Umayyaden eine militärische, administrative und architektonische Dynamik, die in der Menschheitsgeschichte ohne Beispiel ist. Um diese Epoche gerecht und wissenschaftlich objektiv zu würdigen, müssen wir ihre Strukturen von Grund auf verstehen.
Um das Phänomen der Umayyaden zu durchdringen, müssen wir zuerst ihre stammesgeschichtliche Herkunft und ihre genealogischen Wurzeln in Makkah (مَكَّةُ) freilegen.
Unser Prophet Muhammad ibn Abdullah ibn Abd al-Muttalib ibn Hashim ibn Abd Manaf ﷺ teilt seinen Ahnenstamm direkt mit den Umayyaden. Wenn wir den Stammbaum bis zu Abd Manaf (عَبْدُ مَنَافٍ) zurückverfolgen, finden wir bei ihm zwei herausragende Söhne:
Abd Shams zeugte einen Sohn namens Umayyah (أُمَيَّةُ). Somit war Umayyah der Neffe von Hashim. Aus der Nachkommenschaft Umayyahs gingen die beiden mächtigen Hauptzweige der Dynastie hervor:
[ Abd Manaf ]
│
┌─────────┴─────────┐
│ │
[ Hashim ] [ Abd Shams ]
│ │
(Banu Hashim) [ Umayyah ]
│ │
[ Prophet Muhammad ] (Banu Umayya)
│
┌─────────────┴─────────────┐
│ │
[ Harb ] [ Abi al-Aas ]
│ │
[ Sakhr / Abu Sufyan ] [ Al-Hakam ]
│ │
[ Muawiyah I. ] [ Marwan I. ]
(Sufyaniden-Zweig) (Marwaniden-Zweig)
Man könnte fragen, warum die Historiker den Staat nicht nach seinem Begründer Muawiyah I. als „Sufyaniden- oder Muawiyya-Staat“ bezeichneten. Der Grund liegt in einer tiefen Regel der arabischen Nomenklatur: Die Araber benennen Staaten stets nach dem gemeinsamen Stammvater (Al-Jadd al-Jami’), bei dem die herrschenden Zweige zusammenlaufen.
Als die Herrschaft nach dem frühen Tod von Muawiyahs Enkel (Muawiyah II.) vom Sufyaniden-Zweig auf den Marwaniden-Zweig überging, war der einzige gemeinsame Großvater, der beide Linien vereinte, Umayyah. Zudem meiden die Araber sprachliche Schwerfälligkeiten; Begriffe wie „Al-Dawlah al-Mu’awiyyah“ empfand das arabische Sprachgefühl als unästhetisch. Ein identisches Phänomen sehen wir bei der Ayyubiden-Dynastie: Obwohl Salahuddin das Reich begründete, ging die Herrschaft später auf die Nachkommen seines Bruders über, weshalb der Staat nach ihrem gemeinsamen Vater Ayyub benannt wurde.
In der vorislamischen Zeit gehörten drei Häuser zur absoluten Führungsspitze Makkahs (مَكَّةُ): Banu Hashim, Banu Makhzum und Banu Abd Shams. Zu Banu Abd Shams gehörten herausragende Persönlichkeiten wie Utbah ibn Rabi’ah, Shaybah ibn Rabi’ah, Hind bint Utbah, Uthman ibn Affan und Abu Sufyan (Sakhr ibn Harb).
Als die alt-mekkanische Führungselite in der Schlacht von Badr fiel, stieg Abu Sufyan zum unumstrittenen politischen und militärischen Oberhaupt Makkahs auf. Dieses Geschlecht zeichnete sich durch eine außergewöhnliche Kinderzahl, Wohlstand, scharfen Verstand, administrative Begabung und kaufmännische Netzwerke aus.
Manche moderne Historiker unterstellen Banu Umayyah fälschlicherweise eine prinzipielle Feindschaft zum Islam. Wer jedoch die authentische Seerah liest, wird feststellen, dass der Prophet Muhammad ﷺ und seine rechtgeleiteten Nachfolger sich in höchstem Maße auf die administrative und militärische Kompetenz dieses Hauses stützten.
Der große Gelehrte Sheikh al-Islam Ibn Taymiyyah hielt diesen historischen Befund unmissverständlich fest:
«لَا يُعْرَفُ فِي وُلَاةِ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَكْثَرُ عَدَدًا مِنْ بَنِي أُمَيَّةَ»
„Unter den von Rasulullah ﷺ eingesetzten Statthaltern gab es keine Stammeslinie, die in größerer Zahl vertreten war als Banu Umayyah!“
Unter dem Propheten Muhammad ﷺ:
Unter Abu Bakr al-Siddiq und Umar ibn al-Khattab:
Muawiyah regierte die strategisch hochgefährliche Provinz Sham (الشَّامُ) ununterbrochen für zwanzig Jahre als Statthalter (acht Jahre unter Umar, zwölf Jahre unter Uthman) und anschließend zwanzig Jahre als Kalif.
Man muss sich vor Augen halten, wer Umar ibn al-Khattab war: Umar war ein Herrscher von beispielloser Härte bei der Kontrolle seiner Statthalter. Er setzte Giganten wie Abu Hurairah (in Bahrain) oder Sa’d ibn Abi Waqqas (in Kufa) beim geringsten Verdacht oder zur Beruhigung der Bevölkerung ab. Dennoch ließ er Muawiyah zwanzig Jahre im Amt!
Als Umar einmal Sham (Levante) besuchte und die militärische Parade, die Garde und die Leibwache Muawiyahs erblickte, missfiel ihm dieser äußere Prunk zunächst. Doch Muawiyah erklärte klug:
„O Führer der Gläubigen, wir befinden uns an der unmittelbaren Grenze zum Byzantinischen Reich. Bei uns wimmelt es von spionierenden Byzantinern und feindlichen Agenten. Wenn wir keine militärische Stärke und Würde ausstrahlen, werden sie uns verachten und angreifen!“
Daraufhin schwieg Umar und sagte den berühmten Satz:
«مَا جَادَلْتُكَ فِي أَمْرٍ إِلَّا وَجَدْتُ لَكَ فِيهِ رَأْيًا، لَا آمُرُكَ وَلَا أَنْهَاكَ»
„Ich habe mit dir über keine Angelegenheit diskutiert, ohne dass ich bei dir eine durchdachte Begründung fand; ich befehle es dir nicht, noch verbiete ich es dir!“
Der große Biografie-Historiker Imam Al-Dhahabi (الذَّهَبِيُّ) schrieb in Siyar A’lam al-Nubala’:
«وَحَسْبُكَ بِمَنْ يُوَلِّيهِ عُمَرُ وِلَايَةً فَيَرْضَى عَنْهُ فِيهَا، وَهِيَ ثَغْرٌ مِنْ ثُغُورِ الْجِهَادِ، فَيَضْبِطُهُ أَتَمَّ الضَّبْطِ وَيَسُوسُهُ أَحْسَنَ السِّيَاسَةِ»
„Es genügt dir als Zeugnis, dass Umar ihn mit einer Statthalterschaft betraute und mit ihm zufrieden blieb – an einer gefährlichen Grenzzone gegen das Byzantinische Reich –, wo er die Region vollkommen absicherte und mit höchster Staatskunst regierte!“
Muawiyah besaß den Weitblick, die erste muslimische Kriegsflotte im Mittelmeer aufzubauen. Während Umar das Wagnis der Seefahrt aus Sorge um muslimisches Leben noch untersagte, gestattete Uthman den Jihad zur See unter der Bedingung, dass Muawiyah seine eigene Ehefrau mit an Bord nahm. Muawiyah eroberte Zypern und begründete die maritime Macht des Islams. Genau auf diese Flotte bezieht sich der authentische Hadith im Sahih al-Bukhari:
«أَوَّلُ جَيْشٍ مِنْ أُمَّتِي يَغْزُونَ الْبَحْرَ قَدْ أَوْجَبُوا»
„Das erste Heer meiner Ummah, das zur See zieht, hat sich das Paradies verdient!“
Der Gefährte Abdullah ibn Umar rühmte die Führungsqualität Muawiyahs mit den Worten:
«مَا رَأَيْتُ أَسْوَدَ مِنْ مُعَاوِيَةَ»
„Ich habe niemanden gesehen, der meisterhafter in der Führungs- und Souveränitätskunst war als Muawiyah!“
Man fragte Ibn Umar: „Auch nicht Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali?“ Er antwortete: „Sie waren wahrlich besser als Muawiyah, aber Muawiyah war souveräner und geschickter in der weltlichen Staatsführung als sie!“
Sogar die Mutter Yazids I., Maysun bint Bahdal al-Kalbiyyah (مَيْسُونُ بِنْتُ بَحْدَلٍ الْكَلْبِيَّةُ), verkörperte diese stolze, unverfälschte Beduinen-Identität. Als Muawiyah sie in den Palast nach Damaskus holte, sehnte sie sich nach der Freiheit der Wüste und dichtete ihre berühmten Verse:
لَبَيْتٌ تَخْفِقُ الأَرْوَاحُ فِيهِ … أَحَبُّ إِلَيَّ مِنْ قَصْرٍ مُنِيفِ وَكَلْبٌ يَنْبَحُ الطُّرَّاقَ عَنِّي … أَحَبُّ إِلَيَّ مِنْ قِطٍّ أَلِيفِ وَلُبْسُ عَبَاءَةٍ وَتَقَرَّ عَيْنِي … أَحَبُّ إِلَيَّ مِنْ لُبْسِ الشُّفُوفِ وَأَكْلُ كُسَيْرَةٍ فِي كِسْرِ بَيْتِي … أَحَبُّ إِلَيَّ مِنْ أَكْلِ الرَّغِيفِ فَفَضْلُ عِيشَتِي فِي الْبَدْوِ شَهِيٌّ … إِلَى قَلْبِي مِنَ العَيْشِ المُنِيفِ
„Wahrlich, ein Nomadenzelt, in dem die Wüstenwinde wehen, ist mir lieber als ein aufragender Palast! Und ein Hund, der die nächtlichen Besucher von mir verbellt, ist mir lieber als eine zahme Katze! Und das Tragen eines schlichten Gewandes, während mein Auge ruht, ist mir lieber als das Tragen feiner Seide! Und das Essen eines trockenen Brotes im Winkel meines Zeltes ist mir lieber als das Essen eines frischen Laibes! Denn die Vorzüglichkeit meines Lebens in der Wüste ist meinem Herzen köstlicher als das erhabene Palastleben!“
Um die Geschichte der Umayyaden zu überschauen, unterteilen wir ihre 92-jährige Herrschaft in vier präzise Epochen:
[ 1. Gründungsphase ] ───> [ 2. Zweite Fitnah ] ───> [ 3. Blütephase / Dhorwah ] ───> [ 4. Niedergang ]
(41 n.H. – 64 n.H.) (64 n.H. – 73 n.H.) (73 n.H. – 125 n.H.) (125 n.H. – 132 n.H.)
Muawiyah I. & Yazid I. Ibn al-Zubayr / Marwan I. Abdul Malik & seine 4 Söhne Walid II. bis Marwan II.
Die Gründungsphase (41 n.H. bis 64 n.H.): Begann im „Jahr der Gemeinschaft“ (’Am al-Jama’ah - 41 n.H.) durch die Abdankung von Al-Hasan ibn Ali (الْحَسَنُ بْنُ عَلِيٍّ) zugunsten von Muawiyah I. Sie umfasst die 20-jährige Herrschaft Muawiyahs I., die dreijährige Regierungszeit seines Sohnes Yazid I. und die kurze Amtszeit seines Enkels Muawiyah II. (40 Tage bis 3 Monate), der auf das Amt verzichtete und die Schura ausrief.
Die Zweite Fitnah und das Provisorium (64 n.H. bis 73 n.H.): Eine zehnjährige Phase der Zersplitterung. Die rechtmäßige Khilafah lag in dieser Epoche bei Abdullah ibn al-Zubayr (عَبْدُ اللَّهِ بْنُ الزُّبَيْرِ) in Makkah (مَكَّةُ), dem sich fast alle Provinzen anschlossen. Nach der Schlacht von Marj Rahit (مَرْجِ رَاهِطٍ) (64 n.H.) festigte Marwan ibn al-Hakam (مَرَوْانُ بْنُ الْحَكَمِ) den umayyadischen Rumpfstaat in Sham, woraufhin sein Sohn Abdul Malik ibn Marwan das Reich gewaltsam wiedervereinigte.
Die Blütephase und das Goldene Zeitalter (73 n.H. bis 125 n.H.): Die Epoche der Stabilisierung und der maximalen zivilisatorischen Macht. Sie umfasst die Herrschaft von Abdul Malik ibn Marwan und seinen vier Söhnen: Al-Walid I., Sulayman, Yazid II. und Hisham, unterbrochen von der leuchtenden, zweijährigen besonders gerechten Herrschaft ihres Cousins Umar ibn Abdul Aziz (عُمَرُ بْنُ عَبْدِ الْعَزِيزِ - 99 bis 101 n.H.). Das Reich dehnete sich in dieser Phase von den Grenzen Chinas bis nach Südfrankreich aus.
Der Niedergang und der Sturz (125 n.H. bis 132 n.H.): Mit dem Tod Hishams im Jahr 125 n.H. setzte der innere Verfall ein. Thronwirren unter Al-Walid II., Yazid III. und Ibrahim gipfelten in der Herrschaft von Marwan II. (Marwan al-Himar – benannt nach seiner eisernen Ausdauer im Krieg). Im Jahr 132 n.H. stürzten die Abbasiden nach der Schlacht am Zab-Fluss die Dynastie endgültig.
Wer die Geschichte der Umayyaden untersucht, muss erkennen, dass diese Dynastie zwei historischen Wellen massiver Verleumdung und Entstellung ausgesetzt war:
Als die Abbasiden die Umayyaden im Jahr 132 n.H. stürzten, betrieben sie eine systematische Entmachtung und historische Dämonisierung ihrer Vorgänger. Da viele Geschichtswerke und Chroniken in der Frühzeit der Abbasiden-Herrschaft niedergeschrieben wurden, flossen parteiische Tendenzen, Übertreibungen und Erfindungen in die Berichte ein. Nichtsdestotrotz blieben die großen kritischen Historiker (wie Ibn Kathir, Al-Dhahabi oder Ibn Khaldun) objektiv genug, die gigantischen Leistungen der Umayyaden unumstößlich festzuhalten.
Die weitaus gefährlichere Welle der Verleumdung entstand in der Moderne. Als die islamische Ummah im 19. und 20. Jahrhundert militärisch, politisch und geistig unterlegen war und von westlichen Kolonialmächten beherrscht wurde, erwachten Muslime in einem Zustand der Niedergeschlagenheit. Sie sahen, dass die siegreichen Mächte (Großbritannien, USA, Frankreich) Systeme wie Parlamente, Wahlen und Gewaltenteilung vertraten.
Hier griff das soziologische Gesetz von Ibn Khaldun über die Psychologie des Besiegten (Al-Maghlub / المَغْلُوب):
«الْمَغلُوبُ مُولَعٌ أَبَدًا بِالِاقْتِدَاءِ بِالْغَالِبِ فِي شِعَارِهِ وَزِيِّهِ وَنِحْلَتِهِ وَسَائِرِ أَحْوَالِهِ وَعَوَائِدِهِ»
„Der Besiegte ist in seiner Psychologie auf ewige Zeit leidenschaftlich davon besessen, dem Sieger in seinen Symbolen, seiner Kleidung, seinen Glaubensbekenntnissen sowie in all seinen Zuständen und Gewohnheiten nachzueifern!“
In diesem Geisteszustand der geistigen Niederlage fragten sich manche zeitgenössische muslimische Autoren und Prediger: „Warum sind wir heute schwach? Wer hat die Kette der prophetischen “Demokratie” durch die freie Wahl durchbrochen?“
Anstatt die Ursachen in der eigenen heutigen Schwäche, Passivität und Wissenschaftsferne zu suchen, flüchteten sie vor der historischen Verantwortung und zeigten mit dem Finger auf Muawiyah I. und die Umayyaden! Sie beschuldigten Muawiyah, die Schura zerstört und die Erbmonarchie eingeführt zu haben, und machten eine Entscheidung vor 1400 Jahren für die heutige Niederlage der Ummah verantwortlich.
Wer diese Beschuldigung erhebt, verfällt einer absurd anachronistischen Logik und blendet die Gesetze der Geopolitik vollkommen aus:
Die Illusion der imperialen Demokratie:
Die unbegründete Härte gegen die eigenen Vorfahren:
Wenn wir die Verdienste der Umayyaden betrachten, müssen wir betonen: Alles, was wir an Lob über sie aussprechen, steht im Schatten der Rechtgeleiteten Kalifen. Der Prophet ﷺ ordnete die Epochen der Geschichte klar ein:
«تَكُونُ النُّبُوَّةُ فِيكُمْ مَا شَاءَ اللَّهُ أَنْ تَكُونَ، ثُمَّ يَرْفَعُهَا إِذَا شَاءَ أَنْ يَرْفَعَهَا، ثُمَّ تَكُونُ خِلَافَةٌ عَلَى مِنْهَاجِ النُّبُوَّةِ… ثُمَّ تَكُونُ مُلْكًا عَاضًًّا…»
„Das Prophetentum wird unter euch sein, solange Allah es will. Dann wird Er es aufheben, wenn Er es aufzuheben gedenkt. Danach wird ein Rechtgeleitetes Kalifat auf der Methode des Prophetentums sein, und es wird dauern, solange Allah es will. Dann wird Er es aufheben, wenn Er es aufzuheben gedenkt. Danach wird ein beißendes/festhaltendes Königtum sein [Mulkan ’Addan]…“
Die Umayyaden bildeten den Auftakt dieser Epoche der Königsherrschaft. Dennoch stellt die Umayyaden-Dynastie die gewaltigste Ära der islamischen Staatskunst nach den Rechtgeleiteten Kalifen dar. Ihre Verdienste gliedern sich in fünf monumentale Pfeiler:
Die Umayyaden schufen die letzte weltweite Reichseinheit der islamischen Geschichte. Nach dem Sturz der Umayyaden im Jahr 132 n.H. gelang es keiner nachfolgenden Dynastie mehr – weder den Abbasiden noch den Osmanen –, die gesamte muslimische Ummah unter einem einzigen Staatsoberhaupt zu vereinen.
In Al-Andalus herrschten die geflüchteten Umayyaden unabhängig, in Nordafrika entstanden eigenständige Reiche, und das Osmanische Reich umfasste niemals den gesamten Osten und Westen der islamischen Welt. Unter den Umayyaden dagegen erließ ein einziger Kalif in Damaskus (دِمَشْقُ) Befehle, die zeitgleich an den Grenzen Chinas, im Indus-Tal, am Kaspischen Meer, im Maghreb und an den Pyrenäen in Frankreich befolgt wurden!
Unter den Umayyaden erlebte die islamische Expansion ihren absoluten Höhepunkt. Während moderne Großmächte wie die USA bereits beim Führen von zwei simultanen Regionalkriegen in schwerste Krisen geraten – wie der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates in seinen Memoiren gestand, dass jeder US-Präsident, der erneut zwei Landkriege in Asien oder dem Nahen Osten anordnet, seinen Verstand untersuchen lassen sollte –, führten die Umayyaden zeitgleich Krieg an vier gigantischen Weltfronten:
[ KALIFAT IN DAMASKUS ]
│
┌─────────────────┬───────────┴───────────┬─────────────────┐
│ │ │ │
[ 1. Ostfront ] [ 2. Zentralasien ] [ 3. Kaukasus/Byzanz ] [ 4. Westfront ]
Indus-Tal Transoxanien Kaspisches Meer Maghreb/Spanien
(M. b. Qasim) (Qutaybah b. Muslim) (Maslamah b. A. Malik) (Musa b. Nusayr)
Der britische Feldmarschall Bernard Montgomery (A History of Warfare) stellte fasziniert fest, dass die von den Muslimen eroberte Völker (wie die Berber Nordafrikas) keineswegs unterdrückt wurden. Innerhalb weniger Jahre nahmen sie den Islam aus freier Überzeugung an und wurden selbst zu den begeistertsten Vorkämpfern und Feldherren Europas! Dies geschah unter keiner anderen Kolonialmacht der Weltgeschichte.
Andere Imperien (Römer, Briten, Franzosen): Wenn sie ein Land eroberten, blieben die unterworfenen Völker Bürger 2. Klasse. Sie wurden höchstens als Hilfstruppen oder Zwangsrekrutierte für die Armee ausgenutzt, stiegen aber praktisch nie in die Oberkommandos oder die echte politische Führung auf.
Die Umayyaden: Als die Berber in Nordafrika den Islam annahmen, wurden sie nicht als Unterdrückte behandelt, sondern wurden innerhalb weniger Jahre selbst die Oberbefehlshaber der islamischen Armeen (wie Tariq ibn Ziyad, der selbst Berber war und Spanien befreite).
Der französische Kaiser Napoleon Bonaparte hielt in seinen Memoiren auf St. Helena (Mémorial de Sainte-Hélène) fest:
„Die Muslime vollbrachten in achtzig Jahren das, wozu das Römische Reich acht Jahrhunderte benötigte. Sie tilgten die Götzenanbetung und befreiten die Menschheit!“
Der Historiker Arnold Toynbee unterstrich, dass die arabisch-islamische Expansion das einzige Beispiel der Weltgeschichte bleibt, bei dem die unterworfenen Völker die Kultur, Sprache und Religion der Sieger freiwillig übernahmen.
Vor den Umayyaden lief die Verwaltung in den eroberten Provinzen aus Gründen der physischen Geschwindigkeit in den Altsprachen weiter: In Ägypten auf Koptisch, in Sham auf Griechisch, im Irak und Persien auf Pahlavi.
Kalif Abdul Malik ibn Marwan vollzog eine gigantische zivilisatorische Reform:
Die Arabisierung der Dawaawin: Er erhob die arabische Sprache zur alleinigen universellen Verwaltungs-, Wissenschafts- und Behördensprache des Weltreiches. Der Prophet ﷺ definierte die arabische Identität mit den Worten:
«إِنَّمَا العَرَبِيَّةُ اللِّسَانُ، فَمَنْ تَكَلَّمَ بِالعَرَبِيَّةِ فَهُوَ عَرَبِيٌّ» „Die arabische Identität bestimmt sich allein durch die Sprache; wer also Arabisch spricht, der ist ein Araber!“
Die eigene Münzprägung: Er schaffte die Abhängigkeit von byzantinischen Gold-Solidi und sassanidischen Silber-Dramen ab und prägte den ersten reinen islamischen Gold-Dinar und Silber-Dirham mit arabischen Kufi-Inschriften und Quran-Versen.
Diese Wirtschaftsreform glich in ihren Auswirkungen dem modernen US-Dollar-Hegemonieentscheid von 1971, beruhte jedoch im Gegensatz dazu auf echtem Edelmetall und förderte den uneingeschränkten Binnenhandel ohne Währungsverluste von Indien bis Spanien. Zudem entstanden unter den Umayyaden die allerersten Anfänge der wissenschaftlichen Übersetzungsbewegung (Tarjamah) aus dem Syrischen, Indischen und Griechischen.
Obwohl die Umayyaden über unermesslichen Reichtum verfügten, bewahrten sie die Schlichtheit der arabischen Wüstentradition. Der große andalusische gelehrte Imam Ibn Hazm (ابْنُ حَزْمٍ) betonte:
«وَكَانَتْ دَوْلَةً عَرَبِيَّةً لَمْ يَكُنْ فِيهَا التَّسْوِيدُ وَلَا التَّقْبِيلُ»
„Es war eine rein arabische Herrschaft. Es gab darin weder das persische Unterwerfungszeremoniell noch das Erdeküssen vor dem Herrscher!“
Ein einfacher Untertan konnte vor den mächtigsten Kalifen wie Hisham ibn Abdul Malik treten und ihn direkt mit seinem Vornamen ansprechen: „O Hisham!“, ohne dass ihn die Wachen niederhieben. Es gab keine persischen Kniefälle, keine sakralen Hüllen und keine unzugänglichen Herrscherpaläste nach byzantinischem Vorbild.
Erst unter den Abbasiden hielten durch den Einfluss persischer Berater das königliche Hofzeremoniell (Adab al-Muluk), die körperliche Abschirmung des Herrschers und sakrale Throntitel Einzug. Während die Umayyaden ausschließlich unter ihren einfachen Namen regierten, wurden unter den Abbasiden Herrschertitel wie Al-Rashid, Al-Ma’mun, Al-Amin, Al-Muntasir, Al-Mu’tasim oder Al-Wathiq eingeführt. Wie der Historiker Imam Ibn Kathir (ابْنُ كَثِيرٍ) betonte, kannten die Umayyaden noch keine Abschottung des Vermögens oder der Person (Al-Ihtijan) vor den einfachen Gläubigen.
Die Umayyaden begründeten die klassische monumentale Architektur des Islams. Zwei zeitlose Denkmäler zeugen bis heute von ihrer Genialität:
Diese Prachtbauten waren keine eitle Verschwendung, sondern dienten als psychologische Waffe im Kulturkampf (Al-Jamal ka-Silah Harbi).
Als in der Regierungszeit von Umar ibn Abdul Aziz eine hochrangige byzantinische Gesandtschaft nach Damaskus reiste und die Umayyaden-Moschee betrat, wichen die Gesandten erschüttert zurück. Sie erblickten die ästhetische Majestät und die architektonische Überlegenheit des Islams und sagten zueinander: „Wahrlich, das Reich dieser Leute wird niemals mehr aus der Erde getilgt werden!“ Sie gaben jeden Gedanken an eine Rückeroberung Shams (Levante) auf.
Wenn wir das Kapitel der Umayyaden-Dynastie abschließen, lässt sich ihre historische Rolle in folgenden Kernerkenntnissen zusammenfassen:
Gegründet auf den historischen Analysen von Dr. Muhammad Elhamy in Episode 22 der Enzyklopädie-Reihe „100 Fragen in der Geschichte“.